Teil von YouTube-Intro · Der Einstieg
Wie lang darf ein Intro sein? Zwei Leute, die Intros für große Kanäle schreiben, geben kurze Antworten. Mario Joos sagt: meistens nicht über 25 Sekunden. Paddy Galloway sagt: die besten liegen unter 45 Sekunden. Über eine Minute geht fast nie gut.
Die Intro-Länge ist die Zeit vom ersten Bild bis zu dem Moment, in dem der Hauptteil beginnt. Also bis zu dem Punkt, an dem das Video liefert, wofür der Zuschauer gekommen ist. Was in dieser Zeit passieren muss, steht in Das Intro bestätigt den Klick. Hier geht es um zwei Fragen: Wie viel Zeit darf das dauern? Und wie kommst du danach in den Hauptteil, ohne dass Zuschauer abspringen?
Wie lang sollte ein YouTube-Intro sein? Zwei Faustregeln
Paddy Galloway berät als YouTube-Stratege große Kanäle, darunter MrBeast und Red Bull. Er sagt: Ein Intro sollte wahrscheinlich unter 45 Sekunden bleiben. Manchmal geht es etwas länger. Aber die meisten der erfolgreichsten Intros auf YouTube sind kürzer. Und sie benutzen einfache Sprache.
Mario Joos ist strenger. Er berät YouTube-Kanäle dabei, wie sie Zuschauer länger im Video halten. Joos schreibt: Der einfachste Weg, die Retention zu ruinieren, ist ein Intro von über einer Minute. Retention ist der Anteil des Videos, den Zuschauer im Schnitt schauen. Schon alles über 25 Sekunden kann laut Joos Ärger machen.
Seine Begründung: Intros sind voller Kontext. Kontext ist alles, was der Zuschauer wissen muss, um das Video zu verstehen. Für den Kontext klickt aber niemand. Die Leute wollen den Inhalt. Je länger das Intro, desto länger warten sie darauf.
45 oder 25 Sekunden? Ein echter Widerspruch ist das nicht. Galloway nennt eine Obergrenze für die besten Intros. Joos nennt eine Grenze, ab der er selbst nachprüft. Wer unter 25 Sekunden bleibt, ist bei beiden auf der sicheren Seite.
Die 8-15-25-Regel
Für die Länge hat Joos eine eigene Regel. Er nennt sie die 8-15-25-Regel. Die Zahlen sind Sekunden.
8 Sekunden ist das kürzeste Intro, das sich noch natürlich anfühlt. Es passt, wenn die Idee für sich spricht und kaum Erklärung braucht. Du bestätigst kurz, worum es geht, oft einfach mit dem Titel. Du sagst, was das Ziel des Videos ist. Dann geht es direkt los. Der Vorteil: sehr effizient. Der Nachteil: Es kann abrupt wirken.
15 Sekunden ist die Mitte. Hier hast du zusätzlich Zeit für etwas Kontext. Zum Beispiel, wie das Video aufgebaut ist. Oder eine Regel, die für das ganze Video gilt, etwa „24 Stunden“. Joos mag diese Länge am liebsten. Sie wirkt natürlich und überfordert niemanden mit Informationen, die er gleich wieder vergisst.
25 Sekunden passt, wenn du viel abdecken willst. Du zeigst den Aufbau des Videos. Du setzt kurze Ausschnitte aus dem späteren Video ein, sogenannte Teaser. Oder du erzählst in einem Geschichten-Video zwei Sätze Vorgeschichte. Das wirkt laut Joos noch natürlich und gibt dem Video ein festes Gerüst. Aber 25 Sekunden sind schon lang.
Über 25 Sekunden empfiehlt Joos nicht. Er hat selbst längere Intros geschrieben. Aber jedes Mal stellt er sich eine Frage: Ist alles, was ich hier dazunehme, wirklich nötig? Oder kann ich einen Teil davon auch später sagen?
Wichtig ist ein Hinweis, den Joos selbst dazuschreibt: Die Regel gilt vor allem für warme Einstiege. Ein warmer Einstieg erklärt kurz, worum es geht, bevor das Video beginnt. Ein kalter Einstieg springt ohne Erklärung mitten in eine Szene. Dafür gelten andere Faustregeln. Mehr dazu in Der Cold Open: Wann du ohne Anlauf startest.
Ein Intro in drei Längen
Ein Beispiel: Ein Dating-Kanal macht ein Video mit dem Titel „Was beim ersten Date warten kann“.
Kurz (Ziel: 8 Sekunden): „Erstes Date, alles läuft gut. Dann erzählst du von deinem Ex. Heute klären wir, welche Themen beim ersten Date warten können.“
Mittel (Ziel: 15 Sekunden): „Erstes Date, alles läuft gut. Dann erzählst du von deinem Ex. Heute klären wir, welche Themen beim ersten Date warten können. Ich zeige dir vier. Beim letzten glauben fast alle, dass es gut ankommt.“
Lang (Ziel: 25 Sekunden): Wie die mittlere Fassung. Dazu kommen zwei kurze Ausschnitte aus dem späteren Video. In einem erzählt eine Zuschauerin, wie ihr Date kippte, als es um den Ex ging.
Lies alle drei laut und stopp die Zeit. Das rät Joos ausdrücklich: Wer sein Intro stoppt, merkt schnell, wie genau diese Zeitfenster passen. Du wirst merken, dass schon wenige Sätze mehr Zeit brauchen, als du denkst.
Welche Fassung die richtige ist, hängt davon ab, was der Zuschauer braucht. Versteht er die Frage im Titel sofort? Dann reicht die kurze Fassung. Braucht er das Gerüst mit den vier Themen, damit er dranbleibt? Dann die mittlere. Wie du Ziel und Aufbau eines Videos ansagst, steht in Ziel und Fahrplan: Sag, wohin das Video geht. Wie viel Kontext nötig ist, in So wenig Kontext wie möglich.
Wann ein längeres Intro geht
Joos nennt drei Ausnahmen, in denen ein Intro über 25 Sekunden dauern darf:
- Das Intro unterhält selbst. Der Zuschauer wartet nicht, er hat schon Spaß.
- Der Zuschauer bekommt schon etwas. Das Intro enthält bereits einen Teil des Werts, für den er gekommen ist.
- Du weißt sicher, dass dein Publikum lange Intros mag. Joos nennt als Beispiel Podcasts. Mehr dazu in Das Podcast-Intro: Trailer oder erste Frage?
Warum lange Intros sonst Zuschauer kosten, erklärt Joos so: Sie packen zu viele Informationen auf einmal hinein. An anderer Stelle schreibt er, dass Zuschauer das meiste davon wieder vergessen haben, wenn es später wichtig wird. Ein langes Intro kostet also doppelt: Zeit am Anfang. Und Informationen, die später fehlen.
Der Übergang: nahtlos oder deutlich?
Ein Intro endet nicht einfach. Es geht in den Hauptteil über. An dieser Stelle verlieren viele Videos Zuschauer, die das Intro gerade noch überstanden haben.
Galloway hat dafür einen eigenen Schritt in seiner Intro-Formel. Er nennt ihn „nahtlosen Fluss“. Sein Satz dazu: Das beste Intro fühlt sich nicht wie ein Intro an. Es fühlt sich an, als hätte das Video einfach angefangen.
Galloway zeigt den Unterschied an zwei Fassungen. Die schlechte klingt etwa so: „Wir machen heute dieses Ding. Es wird super. Ähm, egal, legen wir los. Okay, wir sind jetzt beim Ding.“ Galloway nennt das einen holprigen Start. Die gute Fassung endet mit einem Satz, der direkt in den Hauptteil führt: „Wir machen heute dieses Ding, und wir fangen damit an …“ Und dann fängt es an. Diesen Verbindungssatz sucht Galloway in jedem Intro.
Joos sieht es auf den ersten Blick anders. Er schreibt: Es hilft der Retention, deutlich zu zeigen, wann das Intro aufhört und der Hauptteil beginnt. Das signalisiert dem Zuschauer, dass jetzt der Kern des Videos kommt.
Nahtlos oder deutlich? Die beiden liegen näher beieinander, als es klingt. Galloway wehrt sich gegen den Bruch: gegen das „Egal, legen wir los“, nach dem kurz nichts passiert. Joos will, dass der Zuschauer merkt: Jetzt geht es um die Sache. Der Verbindungssatz schafft beides. Er sagt an, womit der Hauptteil beginnt. Und im nächsten Satz ist der Hauptteil schon da.
Ein Beispiel für das Dating-Video von oben:
- Bruch: „… welche Themen beim ersten Date warten können. So, dann starten wir mal.“
- Brücke: „… welche Themen beim ersten Date warten können. Thema eins kennst du schon: dein Ex.“
Ein zweites Beispiel, von einem Kanal über YouTube-Strategie:
- Bruch: „… warum dein Kanal nicht wächst. Bevor wir anfangen, kurz zu mir.“
- Brücke: „… warum dein Kanal nicht wächst. Der erste Grund steckt in deinem letzten Thumbnail.“
Was nach dem Übergang kommt, gehört nicht mehr zum Intro. Wie du Zuschauer durch den Hauptteil trägst, zeigt der Hebel Story.
So misst du dein Intro
Die Uhr ist der erste Test. Sprich dein Intro laut und stopp die Zeit, bevor du drehst.
Der zweite Test kommt nach dem Hochladen. YouTube Studio zeigt für jedes Video eine Retention-Kurve. Die Kurve zeigt, wie viele Zuschauer an jeder Stelle des Videos noch dabei sind. Im Bericht „Wichtige Momente für die Zuschauerbindung“ gibt es einen eigenen Punkt „Intro“. Er zeigt laut YouTube-Hilfe, wie viel Prozent der Zuschauer dein Video nach 30 Sekunden noch angesehen haben. Diese Momente erscheinen erst, wenn ein Video mindestens 60 Sekunden lang ist und mindestens 100 Aufrufe hat.
Joos warnt aber davor, aus der Kurve zu viel abzulesen. YouTube zeigt die Werte nur in Schritten von einem Prozent. Und die Kurve hängt davon ab, wie weit das Video verbreitet wird. Ein Video, das vielen Fremden gezeigt wird, verliert am Anfang mehr Zuschauer als eines, das nur Abonnenten sehen. Vergleiche deshalb nur ähnliche Videos miteinander. Und ändere am besten nur eine Sache im Intro auf einmal. Mehr zum Auswerten zeigt der Hebel Analyse.
Grenzen
Die Zahlen sind Faustregeln. Galloway und Joos sprechen aus ihrer Arbeit mit Kanälen. Beide nennen keine Studie, die 8, 15, 25 oder 45 Sekunden belegt. Und beide verdienen ihr Geld mit Beratung. Ihre Regeln sind also auch Werbung für ihre Arbeit.
Kurz heißt nicht leer. Ein 8-Sekunden-Intro, das nicht bestätigt, worum es geht, ist kein gutes Intro. Es ist nur kurz. Was in den ersten Sekunden passieren muss, steht in Den Klick bestätigen.
Intro-Länge ist nicht Videolänge. Ein 20-Minuten-Video braucht kein längeres Intro als ein 8-Minuten-Video. Wie lang das ganze Video sein sollte, steht in Wie lang sollte dein Video sein?
Übung: Drei Intros stoppen
- Nimm deine letzten drei Videos. Spiel jedes von Anfang an ab und stopp die Zeit bis zu dem Moment, in dem der Hauptteil beginnt. Nicht bis zu dem Moment, an dem du glaubst, er beginnt. Bis zu dem Moment, an dem das Video liefert, was der Titel verspricht.
- Ordne jedes Intro ein. 8, 15, 25 oder darüber?
- Streich in jedem Intro über 25 Sekunden einen Satz. Frag bei jedem Satz: Kann ich das auch später sagen, ohne dass jemand verwirrt ist?
- Hör dir den letzten Satz vor dem Hauptteil an. Ist es ein Bruch („Legen wir los“) oder eine Brücke („Wir fangen an mit …“)? Schreib jede Brücke neu, die keine ist.
- Vergleich nach dem nächsten Video. Schau im Bericht „Wichtige Momente“, wie viele nach 30 Sekunden noch dabei sind. Vergleich das mit einem ähnlichen älteren Video.