Teil von YouTube-Intro · Der Hook
Spul ein beliebiges Video von CommonLuke auf etwa eine Minute vor. Dort steht eine große Liste. In jedem seiner Videos.
CommonLuke macht YouTube-Videos über Programmier-Projekte. Der Tech-YouTuber Bog hat ihn zu einem Live-Gespräch in seine YouTube-Community eingeladen. Laut Bogs Folien hatte CommonLuke seinen Kanal sieben Monate vorher gestartet und schon 53.000 Abonnenten. Die Idee mit der Liste hat Luke vom britischen YouTuber Ali Abdaal, der Videos über Produktivität macht. In einem Video von Colin und Samir, die in ihrer Show mit Creatorn über YouTube sprechen, erzählte Abdaal, dass er aus jedem seiner Videos ein Listicle macht. Ein Listicle ist ein Artikel, der aus einer Liste besteht, etwa „Die sieben besten Harry-Potter-Figuren“.
Luke sagt: Die Liste ist vor allem ein Mittel, damit die Leute dranbleiben.
Damit gliederst du dein Video, bevor es richtig losgeht. Ein Fahrplan ist ein kurzer Überblick im Intro: welche Teile kommen und in welcher Reihenfolge. Das Ziel ist der Punkt, auf den das Video hinausläuft. Beides zusammen sagt dem Zuschauer, wohin das Video geht.
Das Ziel: worauf dein Video hinausläuft
Mario Joos berät YouTube-Kanäle dabei, wie sie Zuschauer länger halten. Er stellt gern eine Frage: Warum nennt man das Ziel eines Videos schon im Intro? Die meisten antworten: Damit sich der Zuschauer auf etwas freuen kann. Joos sagt: Das stimmt, aber es fehlt etwas.
Der vielleicht wichtigere Grund: Das Ziel gibt dem Zuschauer einen Maßstab. Jede Szene misst er daran, wie weit sie ihn dem Ziel näherbringt. Bringt eine Szene das Video spürbar voran, bleibt er dabei. Wenn nicht, entsteht ein schwacher Moment.
Ein Beispiel für einen Dating-Kanal. Das Video heißt „Meint er es ernst?“. Das Ziel im Intro: „Am Ende dieses Videos weißt du nach dem nächsten Date, ob er etwas Ernstes will.“ Jetzt prüft die Zuschauerin jeden Abschnitt: Hilft mir das, es zu erkennen? Eine lange Geschichte über das eigene erste Date des Creators hilft ihr nicht. Sie merkt das sofort.
Ein warmer Einstieg hat laut Joos drei Teile. Er bestätigt die Idee des Videos, gibt genug Kontext für den Start und setzt ein klares Ziel. Wie du bestätigst, steht in Den Klick bestätigen. Wie viel Kontext nötig ist, steht in So wenig Kontext wie möglich.
Der Plan: mehr als das Versprechen wiederholen
Jake Trinder baut YouTube-Kanäle für Unternehmen auf. Er beschreibt, was sich ein Zuschauer direkt nach dem Klick fragt. Bekomme ich, wofür ich geklickt habe? Kann diese Person das liefern? Lohnt sich der Rest meiner Zeit? Trinders Antwort hat drei Teile: Versprechen, Beweis, Plan. Laut Trinder nutzt auch der Unternehmer Alex Hormozi dieses Schema. Wie du den Beweis führst, steht in Warum sollte man dir zuhören?
Der Plan zeigt, wohin das Video geht. Trinder betont: Das ist etwas anderes als das Versprechen. Sein Beispiel ist ein langes Kurs-Video über Facebook-Werbung. Das Versprechen lautet: alles, was du über Facebook-Werbung wissen musst. Das allein reicht aber nicht, damit sich jemand auf zwei Stunden einlässt. Der Zuschauer muss sicher sein, dass wirklich alles drin ist.
Also zählt der Creator die Teile auf. Wie du Kampagnen anlegst. Wie du dich im Werbeanzeigenmanager zurechtfindest. Wie du eine Strategie für die Werbemotive entwickelst und Anzeigen findest, die nachweislich funktionieren. Danach denkt der Zuschauer laut Trinder: Das ist wirklich alles, was ich brauche.
Trinder sagt, das gilt auch für kürzere Videos. Bei meinem Dating-Kanal habe ich vor jedem Video die Kernthese aufgeschrieben und einen roten Faden festgelegt, damit die Leute weiterschauen. Wie das vor dem Dreh aussieht, steht in Das Videokonzept. Der Fahrplan im Intro zeigt dem Zuschauer diesen roten Faden.
Sag, wie viele Teile kommen
Alex Hormozi beschreibt in seinem Buch $100M Leads, wie er Zuschauer hält. Sein liebstes Mittel ist Neugier. Er setzt den Leuten offene Fragen in den Kopf. Am liebsten auf drei Arten: mit Listen, mit Schritten und mit Geschichten.
Zu Listen schreibt er: Nennst du die Zahl der Punkte im Titel oder in den ersten Sekunden, wissen die Leute, was sie erwartet. Nach seiner Erfahrung bleiben sie dann länger dran.
Hormozi unterscheidet Listen und Schritte:
- Schritte sind Handlungen in fester Reihenfolge, die zusammen zu einem Ergebnis führen. Zum Beispiel „Drei Schritte zu einem guten Hook“. Sie sind weniger flexibel, versprechen aber ein klareres Ergebnis.
- Listen sind Tipps, Fakten oder Ideen in beliebiger Reihenfolge. Zum Beispiel „Die fünf größten Fehler“. Sie sind flexibler, aber das Ergebnis ist weniger klar.
Geschichten halten auf eine eigene Art. Sie gehören zum Erfolgsfaktor Story.
Warum Menschen geduldiger warten, wenn sie wissen, wie weit es noch ist, steht in Die Wert-Gleichung. Dort steht der Rat, im Intro zu sagen, wie viele Schritte kommen. Hier ist das Werkzeug dafür.
So gliederst du dein Video als Liste
Zurück zu CommonLuke. Er nennt drei Gründe für seine Liste. Sie deutet an, was später im Video kommt. Sie gibt dem Zuschauer eine klare Erwartung, worum es genau geht. Und sie verspricht Wert. Sinngemäß: Schau, wie viel in diesem Video steckt.
Lukes Videos sind keine Ratgeber. Er baut Programmier-Projekte. Seine Liste zählt deshalb keine Tipps auf, sondern die Hürden auf dem Weg zum Ziel. In einem Video sind das zum Beispiel fünf Bausteine eines neuronalen Netzes, also eines Computerprogramms, das aus Beispielen lernt. Luke sagt: Er schreibt im Grunde die fünf Hindernisse auf und zeigt dann zu jedem die Höhepunkte.
Die Liste kommt bei ihm nicht ganz am Anfang. In den ersten Sätzen bestätigt er, worum es im Video geht. Dann legt er nach, was auf dem Spiel steht, oder setzt einen weiteren Haken. Erst nach etwa einer Minute folgt die Liste.
Auch Joos beobachtet: Eine Art Kontext wollen Zuschauer besonders gern. Er nennt sie Struktur-Kontext. Das ist alles, was dem Zuschauer zeigt, wie das Video abläuft: wie die Abschnitte aufgebaut sind, welche Strategie verfolgt wird oder welche Regel gleich gilt. Jeden anderen Kontext hältst du so knapp wie möglich.
Ein Beispiel aus der Content-Strategie
Ein Kanal erklärt YouTube-Strategie. Das Video heißt „Warum dein Video in den ersten 30 Sekunden Zuschauer verliert“.
Ohne Fahrplan: „Heute geht es um Intros. Das Thema ist wichtig, weil viele Videos am Anfang Zuschauer verlieren. Also, legen wir los.“
Mit Ziel und Fahrplan: „Ich zeige dir drei Stellen, an denen Zuschauer in den ersten 30 Sekunden abspringen: die Begrüßung, die Vorgeschichte und der Moment, in dem nichts Neues passiert. Die dritte kostet die meisten Zuschauer und fällt kaum auf. Am Ende weißt du, welche der drei dein Video bremst.“
Der zweite Satz der Fassung mit Fahrplan nennt die Zahl, benennt die drei Teile und hängt an den dritten einen Haken. Der letzte Satz setzt das Ziel.
Grenzen
Eine sichtbare Liste zeigt auch, wie viel noch fehlt. Steht der Zuschauer bei Punkt vier von fünf, weiß er: gleich ist Schluss. Das ist eine Einschätzung, keine Messung. Was dagegen hilft, etwa ein neues Versprechen vor dem Ende, gehört zum Erfolgsfaktor Story.
Nicht jedes Video ist eine Liste. Bei einer Geschichte oder einer Challenge ist das Ziel oft schon der ganze Fahrplan. „Ich habe 24 Stunden, um ein Spiel zu programmieren“ braucht keine Aufzählung.
Der Zuschauer vergisst den Fahrplan. Joos schreibt: Das meiste, was du im Intro sagst, ist vergessen, wenn es wichtig wird. Erinnere deshalb im Video kurz daran, wo ihr gerade steht.
„Schau bis zum Ende“ ist kein Fahrplan. Laut Joos gibt es kaum Belege, dass dieser Satz hilft. Mehr dazu in Die häufigsten Intro-Fehler.
Ein Fahrplan kostet Sekunden. Wie lang das Intro dadurch werden darf, steht in Wie lang darf ein Intro sein?
Die Quellen sind Praktiker. Joos, Trinder und Hormozi berichten aus eigener Arbeit, nicht aus Studien. Joos und Trinder verdienen ihr Geld mit der Betreuung von Kanälen. CommonLuke ist ein einzelner Kanal, die Zahlen stammen von Bogs Folien.
Übung: Ziel und Fahrplan in drei Sätzen
- Schreib das Ziel in einem Satz. Beginn mit „Am Ende dieses Videos weißt du …“ oder „Am Ende siehst du …“.
- Schreib alle Teile deines Videos untereinander. Sind es mehr als sieben, fass zusammen.
- Entscheide: Liste oder Schritte? Muss die Reihenfolge stimmen, damit es klappt, sind es Schritte. Sag das dann auch so.
- Gib jedem Teil einen Haken statt eines Etiketts. Nicht „Teil 2: Profilbilder“, sondern „das Foto, das dich die meisten Matches kostet“. Wie das geht, steht in Der Hook.
- Bau den Fahrplan ins Intro. Nach der Bestätigung, vor dem ersten Teil. Nenn die Zahl.
- Prüf dein Skript mit Joos‘ Maßstab. Bringt jede Szene den Zuschauer dem Ziel näher? Markiere jede, die das nicht tut. Kürz sie oder streich sie.