Teil von YouTube-Packaging · Thumbnail
Paddy Galloway gibt manchmal 10.000 Dollar für ein einziges Thumbnail aus. Galloway ist YouTube-Stratege. Er hat unter anderem für MrBeast und Red Bull gearbeitet. Wenn er erzählt, wie viel Arbeit in ein Vorschaubild fließt, kommt oft derselbe Einwand: Schau dir Outdoor Boys an. Der postet einfach einen Screenshot. Und bekommt riesige Views.
Outdoor Boys ist ein großer Kanal über Abenteuer in der Natur. Seine Thumbnails sehen aus wie zufällig angehaltene Videos. Galloway gibt den Kritikern recht, zum Teil. Manchmal seien Inhalt und Creator so gut, dass selbst ein schlechtes Thumbnail zur Marke wird. Die Leute erkennen es und denken: Das will ich anklicken.
Das ist die Macht eines Thumbnail-Stils. Ein Thumbnail-Stil ist das, was all deine Vorschaubilder gemeinsam haben: eine Farbe, eine Schrift, ein Bildaufbau, dein Gesicht. Er sagt dem Zuschauer in einem Bruchteil einer Sekunde: Das ist von dem, dessen letztes Video du mochtest.
Vertrautheit ist einer der stärksten Klick-Gründe
Mario Joos berät YouTube-Kanäle dabei, wie sie Zuschauer länger im Video halten. Er schreibt: Viele glauben, ein Video explodiert, weil es ein tolles Thumbnail und einen tollen Titel hat. Das sei nicht einmal die Hälfte.
Einer der Faktoren daneben: Wir klicken, weil wir den Creator kennen. Oder weil er uns an einen ähnlichen Creator erinnert. Joos schreibt: Vertrautheit gehört zu den stärksten Gründen für einen Klick. Und er zieht daraus selbst den Schluss: Deshalb sehen unsere Thumbnails oft ähnlich aus.
Galloway sagt dasselbe mit anderen Worten. Klicks hängen nicht nur an Idee, Titel und Thumbnail. Sie hängen auch daran, wie dir das letzte Video gefallen hat. Mochtest du es, klickst du beim nächsten Mal eher.
Ein fester Stil macht das möglich. Wer dich nicht sofort erkennt, kann sich nicht an dein letztes Video erinnern. Welche anderen Gründe außer Titel und Thumbnail über einen Klick entscheiden, steht in Die Klickrate.
Dein Gesicht als Logo
Mark Rober ist früherer NASA-Ingenieur und einer der größten Wissenschafts-YouTuber. Im Podcast von Colin und Samir, einem Creator-Duo, das in seiner Show andere Creator interviewt, spricht er über seine Thumbnails.
YouTube lässt Creator heute mehrere Thumbnails gegeneinander testen. Rober sagt: Wir testen alle möglichen Thumbnails. Und die, die immer wieder gewinnen, zeigen mein Gesicht groß.
Seine erfolgreichsten Videos von früher zeigen fast nie sein Gesicht. Das sei eine andere Zeit auf YouTube gewesen, sagt Rober. Heute sei es viel schwerer, ohne Gesicht viele Klicks zu bekommen. Das Publikum erwarte: Wenn jemand, den ich mag, in dem Video ist, ist sein Gesicht groß drauf.
Im Gespräch fällt ein Vergleich: Auf einer langen Autofahrt siehst du das gelbe McDonald’s-Zeichen. Es ist vertraut, und du weißt, was dich erwartet. Auf YouTube ist dein Gesicht dieses Zeichen.
Rober erzählt auch das Gegenstück. Ein frühes Video über einen Hindernis-Parcours für Eichhörnchen hat laut ihm das schlechteste Thumbnail, das er je gemacht hat. Sein Team hat vieles getestet, die Klickrate blieb niedrig. Trotzdem wird das Video angeklickt. Der Inhalt sei einfach gut. Die Leute erinnern sich: Ach, das Video kenne ich.
Cleo Abram macht Videos über Wissenschaft und Technik. Sie beschreibt dieselbe Überlegung. Sie versucht, ihr eigenes Gesicht ins Thumbnail zu bringen. Ihr Grund: Es zeigt, dass dies eine Show ist, die Leute schon einmal angeklickt haben.
Was einen Thumbnail-Stil ausmacht
Ein Stil ist kein Logo. Galloway hält wenig von einem kleinen Logo in der Ecke. Sein Argument: Auch große Kanäle werden vor allem von Menschen gesehen, die sie noch nicht kennen. Diese Menschen sehen nur ein Zeichen, das sie nicht verstehen. Es zerstückelt das Bild und macht es unruhiger.
Galloway denkt eher an Dinge, die zum Bild gehören. Eine bestimmte Farbe. Bei Gesprächen sogar die Farbe, die der Gast trägt. Notfalls färbt man sie im Thumbnail nach.
Das Team von Marques Brownlee, einem der bekanntesten Technik-YouTuber, beschreibt Marke so: ein Bauchgefühl, das jemand bei deinem Kanal hat. Plus ein Merkmal, das man in einer Reihe von Thumbnails bemerkt und sofort mit dir verbindet.
Typische Merkmale eines Thumbnail-Stils:
- Eine Farbe, die immer wieder auftaucht, im Hintergrund, in einer Fläche hinter dem Text oder an dir selbst.
- Eine Schrift, wenn du Text im Bild nutzt.
- Ein fester Bildaufbau, zum Beispiel dein Gesicht immer rechts, das Thema immer links.
- Dein Gesicht mit einem echten Gefühl.
Was passiert, wenn andere Kanäle deinen Stil kopieren, und warum Galloway dann rät, ihn trotzdem zu behalten, steht in Vertraut und neu.
Den Stil ändern, ohne die Wiedererkennung zu verlieren
Ein fester Stil hat einen Preis. Er macht Änderungen teuer.
Galloway beschreibt das Problem bei den Thumbnails des Podcasts, in dem er gerade spricht. Sein Team arbeitet daran mit. Sinngemäß sagt er: Die Leute haben sich daran gewöhnt, unseren Stil anzuklicken. Jetzt glauben wir, es gibt einen besseren Stil. Aber wenn wir ihn nehmen, wissen die Leute nicht mehr, dass wir es sind.
Seine Lösung: in kleinen Schritten. Der Blick des Gastes und die Farben bleiben. Neu ist nur eine Sache: Links kommen Bilder dazu. Galloway sagt: 80 Prozent des Thumbnails waren gleich. Eine Sache haben sie geändert. Man müsse schrittweise vorgehen, sonst verliere man das Kapital aus all den Videos davor, in denen die Leute gelernt haben, wie der Kanal aussieht.
Ein Vorteil dieser Methode: Ändert sich nur eine Sache, weißt du nachher, was gewirkt hat. Wie du zwei Versionen auf YouTube gegeneinander testest, steht in Thumbnails testen.
Wo der Stil nicht hilft
Der Stil darf das Verstehen nicht stören. Das Team von Marques Brownlee hat für einen neuen Kanal einen eigenen Look entwickelt. Nach etwa einem Dutzend Videos merkten sie: Ein Teil des Stils stand den Zuschauern im Weg. Sie verstanden nicht mehr, was sie im Thumbnail sahen. Das Team hat das Element entfernt. Ein Thumbnail muss zuerst in einer Sekunde verständlich sein. Der Stil kommt danach. Wie du das prüfst, steht in Der Ein-Sekunden-Test.
Vertrautheit wirkt nur bei denen, die dich kennen. Ein neuer Zuschauer erkennt deinen Stil nicht. Für ihn muss das Thumbnail auch ohne Wiedererkennung funktionieren. Das ist Galloways Argument gegen das Logo, und es gilt für jeden Stil.
Ein neuer Kanal leiht sich manchmal einen fremden Stil. MatPat und Stephanie Patrick, die Gründer der Theorist-Kanäle, machen es beim Start eines neuen Kanals umgekehrt. Sie gestalten die Thumbnails bewusst ähnlich wie die der Kanäle nebenan. Wie und warum, steht in Einen YouTube-Kanal starten.
In Kurzvideo-Feeds fehlt der Stil. MatPat beschreibt im Podcast von Colin und Samir, wo auf YouTube eine Marke steckt: im Titel, in der Art der Thumbnails, im Inhalt. Im Feed von Shorts oder TikTok gibt es kein Thumbnail. Der Titel steht klein in einer Ecke. Dort bleibt nur, dass dich jemand an deinem Gesicht erkennt. MatPat erzählt von Creatorn, die deshalb auffällige Kleidung tragen, zum Beispiel neongrüne Tutus. Sie werden so im Bruchteil einer Sekunde erkannt, auch von Leuten, die ihren Namen nicht kennen.
Ein Beispiel aus der Dating-Nische
Ein Beispiel: Eine Dating-Coachin macht jede Woche ein Video. Bisher sieht jedes Thumbnail anders aus. Mal gelb, mal blau. Mal mit ihr, mal mit einem Paar aus einer Bilddatenbank.
Sie legt zwei feste Merkmale fest. Erstens: Ihr Gesicht ist immer rechts, mit einem echten Ausdruck, kein Dauerlächeln. Zweitens: Links ist immer ein Ausschnitt aus einem Chat, mit einer Nachricht, um die es im Video geht. Die Farbe ihres Kanals, ein kräftiges Rot, taucht in ihrer Kleidung oder in der Chat-Blase auf.
Alles andere wechselt mit dem Thema. Mal ist es eine Nachricht vom Ex, mal eine Absage nach dem ersten Date. Wer ihr letztes Video gesehen hat, erkennt sie auf der Startseite sofort. Wer sie nicht kennt, versteht trotzdem: Hier geht es um eine Nachricht, und eine Frau hat dazu eine Meinung.
Nach ein paar Monaten will sie eine neue Schrift für den Text im Chat-Ausschnitt testen. Sie ändert nur die Schrift. Gesicht, Chat und Farbe bleiben.
Übung: Die Kanalseiten-Probe
- Mach einen Screenshot deiner Kanalseite. Die letzten zwölf Videos als Raster.
- Such die Gemeinsamkeiten. Was haben mindestens acht der zwölf Thumbnails gemeinsam? Schreib es auf. Findest du nichts, hast du noch keinen Stil.
- Leg zwei feste Merkmale fest. Zum Beispiel eine Farbe und einen Bildaufbau. Mehr braucht es am Anfang nicht.
- Mach die Mischprobe. Leg drei deiner Thumbnails zwischen 20 von anderen Kanälen aus deinem Thema. Zeig das Raster jemandem, der dich kennt. Findet er deine in wenigen Sekunden?
- Mach die Fremdprobe. Zeig eines deiner Thumbnails einem Fremden eine Sekunde lang. Versteht er, worum es geht, auch ohne dich zu kennen?
- Ändere später immer nur eine Sache. Wenn du den Stil weiterentwickelst, bleibt der Rest gleich.