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Idee · 14.10.2026 · Oliver Bayer

Videokonzept erstellen: So arbeitest du deine besten Ideen auf einer Seite aus

Ein Blatt mit vier Feldern: ein Satz, zehn Titel, eine Skizze und ein Gerüst mit drei Punkten.

Teil von Videoideen finden · Teil 4 von 5

Bevor das Team von Paddy Galloway entscheidet, welches Video es dreht, hängen zehn Ideen an der Wand. Jede steht auf einer eigenen Seite. Galloway, YouTube-Stratege für Kanäle wie MrBeast und Red Bull, nennt sie idea slide, auf Deutsch etwa „Ideen-Folie“.

Ein Videokonzept ist genau diese Seite: deine Idee in einem Satz, dazu ein paar Titel, eine grobe Skizze des Thumbnails und ein grobes Gerüst des Videos. Ein Videokonzept zu erstellen dauert etwa eine halbe Stunde. Ein Video kostet dich Tage.

Du schreibst ein Videokonzept nicht für jede Idee. Du schreibst es für die drei bis zehn besten, die nach dem Filtern übrig sind. Erst danach entscheidest du, welche du drehst. Von Galloways zehn Seiten werden laut ihm wahrscheinlich neun nie gedreht. Das ist keine Verschwendung. Auf der Seite merkst du, ob eine Idee trägt. Im Schnitt merkst du es zu spät.

100 Ideen werden gefiltert zu 10 Videokonzepten auf je einer Seite, daraus wird 1 Video gewählt.

Wann du ein Videokonzept erstellst

Vor dem Videokonzept stehen drei Schritte. Du sammelst viele Ideen, wie in So kommst du auf 100 Ideen. Du prüfst, ob sie interessant sind. Du prüfst, ob sie klar und groß genug sind. Dann bleiben etwa zehn übrig, wenn du allein arbeitest, oft weniger.

Diese Ideen sind alle gut. Auf einer Liste sehen sie gleich aus. Eine Zeile wie „Ghosting“ verrät dir nicht, ob daraus ein Video wird. Deshalb arbeitest du sie erst ein bisschen aus. Danach entscheidest du.

Warum nicht gleich für alle 100? Weil eine halbe Stunde mal 100 eine Woche ist. Die Filter davor sind billig. Das Videokonzept ist teurer. Es lohnt sich nur für Ideen, die schon etwas taugen.

Warum nicht nur für die eine Lieblingsidee? Weil du dann nichts vergleichen kannst. Erst wenn drei Seiten nebeneinander liegen, siehst du, welche Idee die stärkste ist.

Warum eine Seite vor der Wahl

Galloway beschreibt, wie die meisten Creator arbeiten, sinngemäß so: Mir ist eine Idee eingefallen, lass sie uns machen. Damit schadet man sich selbst, sagt er.

Die Seite zwingt dich zu vier Fragen:

  1. Kann ich die Idee in einem Satz sagen?
  2. Fallen mir viele Titel dazu ein?
  3. Passt die Idee in ein Bild?
  4. Weiß ich, was am Anfang, in der Mitte und am Ende passiert?

Vor dem Dreh kostet jede Frage ein paar Minuten. Danach kostet sie Tage. Galloway ärgert sich, dass selbst Creator mit Millionen Abonnenten oft erst drehen und dann fragen: Was nehmen wir als Thumbnail? Dann suchen sie ein Bild in Material, das dafür nie gedreht wurde.

Bei meinem Dating-Kanal habe ich vor jedem Video die Kernthese aufgeschrieben, oder zumindest das Thema. Dazu habe ich einen roten Faden durch das Video gelegt, damit die Leute weiterschauen. Ein roter Faden heißt: Jeder Teil führt zum nächsten, und der Zuschauer spürt, worauf das Video hinausläuft.

Der Filmemacher Daniel Mace dreht Videos mit MrBeast. Er schreibt vor jedem Dreh einen Satz über das Video auf. Direkt danach denkt er über Titel und Thumbnail nach, „schon so früh“, wie er sagt. Wie er diesen Satz baut, steht in Die Logline: Dein Video in einem Satz.

Teil 1: Ein Satz, der die Idee trägt

Michael Hauge berät seit über 20 Jahren Drehbuchautoren in Hollywood. In seinem Buch Writing Screenplays That Sell schreibt er: Jede brauchbare Idee für einen Film lässt sich in einem Satz sagen. Der Satz hat zwei Lücken:

„Es ist eine Geschichte über ___, die/der ___ will.“

In die erste Lücke kommt die Hauptfigur. In die zweite ein Ziel, das man sehen kann. Hauge nennt das die Ziellinie. Am Ende muss man erkennen, ob die Figur sie erreicht hat oder nicht.

Sein Gegenbeispiel: „Ein Held, der seine Bestimmung erfüllen will.“ Darunter kann sich niemand etwas vorstellen. Bei Slumdog Millionaire lautet der Satz: ein junger Mann, der die Liebe seines Lebens wiederfinden und vor einem Gangster retten will. Jetzt weißt du, wofür du mitfieberst.

Für Videos geht der Satz fast genauso: „Ein Video über ___, die/der ___ will.“ Die Figur bist manchmal du selbst, etwa bei einem Selbstversuch. Oft ist es dein Zuschauer.

Bei meinem Dating-Kanal brachten Videos die meisten Zuschauer, die ein Symptom ansprachen. Viele kennen das Symptom, aber nicht den Grund dafür.

Ein Beispiel: Ein Dating-Kanal hat die Idee „Ghosting“ auf seiner Liste. Ghosting heißt: Jemand meldet sich ohne Erklärung nicht mehr. Das ist ein Thema, aber noch keine Idee. Mit Hauges Lücken wird daraus: „Ein Video über eine Frau, die verstehen will, warum er sich nach drei guten Dates nicht mehr meldet.“ Jetzt gibt es eine Figur, ein Ziel und eine Frage, die das Video beantworten muss.

Lückensatz: Ein Video über (Figur), die (Ziel, das man sehen kann) will. Ausgefüllt: eine Frau, die verstehen will, warum er sich nach drei guten Dates nicht mehr meldet.

Hauge kennt auch die Grenze. Manche Filme haben keine Ziellinie, etwa viele Biografien. Bei Videos ist das ähnlich: Ein ruhiges Erklärvideo hat oft keine Figur, die etwas will. Dann hilft eine andere Form: „Ein Video, das zeigt, wie ___, damit du ___.“

Hauge spricht noch von High Concept. Gemeint ist eine Idee, bei der schon der eine Satz genügt, damit viele Menschen den Film sehen wollen. Für dich heißt das: Würde jemand allein wegen deines Satzes klicken?

Kannst du den Satz nicht schreiben, hast du ein Thema, aber noch keine Idee.

→ Mehr dazu: Die Logline: Dein Video in einem Satz

Teil 2: Zehn Titel als Test

Galloway rät, für jedes Video mindestens zehn Titel zu schreiben. Das dauere nur Minuten, sagt er. Welcher Titel am Ende gewinnt und nach welchen Regeln, gehört zum Packaging. Packaging heißt alles, was der Zuschauer vor dem Klick sieht: vor allem Titel und Thumbnail. Hier sind die zehn Titel ein Test für die Idee. Sie verraten dir drei Dinge:

Fallen dir überhaupt zehn ein? Wenn du nach vier Titeln festhängst, ist die Idee oft zu dünn oder zu ungenau.

Zeigen alle in dieselbe Richtung? Handeln die ersten Titel davon, warum er sich nicht mehr meldet, und die nächsten davon, wie du ihn zurückgewinnst? Dann stecken zwei Videos in deiner Idee. Entscheide dich für eins.

Würde ein Fremder klicken? Lies die Titel jemandem vor, der deinen Kanal nicht kennt. Macht ihn keiner neugierig, liegt es selten an der Formulierung. Meist ist die Idee selbst nicht interessant genug.

Ein Beispiel: die ersten sechs von zehn Titeln für das Ghosting-Video.

  1. Drei gute Dates, dann nichts mehr. Warum?
  2. Warum er sich nach dem dritten Date nicht mehr meldet
  3. Er hat dich geghostet. Das hat er gedacht
  4. Ghosting nach drei Dates: die drei häufigsten Gründe
  5. Woran du vorher merkst, dass er gleich verschwindet
  6. Soll ich ihm nochmal schreiben?

Titel 1 bis 5 zeigen in dieselbe Richtung. Titel 6 ist ein anderes Video. Es bekommt eine eigene Seite.

Teil 3: Eine Skizze statt eines Thumbnails

Auf die Seite gehört kein fertiges Thumbnail. Eine Skizze reicht. Galloway erzählt, er habe schon mit furchtbaren Strichmännchen Thumbnails skizziert. Es geht nur darum, wie das Bild ungefähr aussehen soll.

Die Skizze beantwortet eine Frage: Welches eine Bild zeigt deine Idee? Musst du zwischen drei Bildern wählen, weil jedes nur einen Teil zeigt, ist die Idee noch nicht klar. Dann geh zurück zu deinem Satz.

Ein Beispiel: Für das Ghosting-Video zeichnet der Kanal ein Handy. Auf dem Display steht eine Nachricht von ihr: „Hey, wie war dein Tag?“ Darunter: „Gelesen, 14:02“. Keine Antwort. Zwei Minuten Arbeit, und die Idee ist sichtbar.

Ob ein Zuschauer das Bild in einer Sekunde versteht, prüft der Ein-Sekunden-Test.

Teil 4: Das Gerüst und der rote Faden

Das Gerüst ist kein Skript. Es sind drei bis fünf Stichpunkte: Womit beginnt das Video? Was passiert in der Mitte? Wie endet es? Das Gerüst ist dein roter Faden auf Papier.

Ein Beispiel für das Ghosting-Video:

  1. Einstieg: die Nachricht, die nicht beantwortet wird. Frage: Was ist nach drei guten Dates passiert?
  2. Grund 1: Er wollte nie etwas Festes.
  3. Grund 2: Er datet parallel und hat sich entschieden.
  4. Grund 3: Ihm ging es zu schnell.
  5. Auflösung: Woran du beim nächsten Mal früher merkst, was los ist.

Der rote Faden ist hier die Frage aus dem Einstieg. Jeder Grund ist eine mögliche Antwort darauf. Die Auflösung macht aus den Antworten etwas, das die Zuschauerin beim nächsten Date nutzen kann.

Das Gerüst zeigt dir zwei Dinge. Erstens: Hat die Idee genug Stoff? Drei Gründe tragen ein Video von acht Minuten, aber kaum eins von zwanzig. Mehr dazu in Wie lang sollte dein Video sein?. Zweitens: Gibt es einen Anfang, der neugierig macht? Ohne ihn hilft der beste Titel nichts. Wie du den Einstieg baust, zeigt der Hebel Intro.

Von der Seite zur Wahl

Jetzt liegen mehrere Videokonzepte vor dir. Leg sie nebeneinander. Am besten am nächsten Tag, mit etwas Abstand.

Ein Beispiel: Der Dating-Kanal hat drei Seiten geschrieben. Das Ghosting-Video hat einen klaren Satz, zehn Titel in eine Richtung und ein Bild. Die zweite Seite, „Dating nach der Trennung“, hat keinen Satz mit Ziellinie und vier Titel, die in vier Richtungen zeigen. Die dritte Seite, „Die erste Nachricht nach dem Date“, ist klar, aber das Gerüst hat nur einen Punkt. Das trägt ein kurzes Video, kein langes.

Die zweite Seite fällt hier raus. Zwischen der ersten und der dritten musst du wählen. Auch Galloways Team wählt am Ende aus den zehn Seiten eine aus. Im Podcast fällt dazu das Wort „subjektiv“.

Wie du diese Wahl triffst, ohne dich nur auf dein Gefühl zu verlassen, zeigt der nächste Schritt: Die eine Idee wählen. Dort prüfst du, ob es Belege gibt, dass Videos dieser Art schon erfolgreich waren.

Erst nach der Wahl kommt das Packaging. Aus Titelkandidaten und Skizze werden dann der endgültige Titel und ein echtes Thumbnail. Das zeigt der Hebel Packaging. Was das Video für deinen Kanal leisten soll, schreibst du vorher als Wette auf, wie in Das Ziel deines Videos.

Startest du einen neuen Kanal, schreibst du solche Sätze nicht für zehn Ideen, sondern für 100. Wie das geht, zeigt YouTube-Kanal starten: Erst 100 Loglines, dann das erste Video.

Übung: So erstellst du dein erstes Videokonzept

Nimm die drei besten Ideen, die nach dem Filtern übrig sind. Wie du dorthin kommst, zeigt Ist die Idee klar und groß genug?. Gib jeder Idee ein leeres Blatt.

  1. Der Satz (5 Minuten). „Ein Video über ___, die/der ___ will.“ Oder: „Ein Video, das zeigt, wie ___, damit du ___.“
  2. Zehn Titel (5 Minuten). Schreib, ohne zu urteilen. Markier danach jeden Titel, der in eine andere Richtung zeigt.
  3. Die Skizze (2 Minuten). Ein Bild. Strichmännchen reichen.
  4. Das Gerüst (5 Minuten). Einstieg mit einer Frage, drei bis fünf Punkte, Auflösung. Prüf: Führt jeder Punkt zur Frage aus dem Einstieg zurück?
  5. Ein Tag Pause. Leg die drei Seiten nebeneinander. Bei welcher fehlt etwas? Streich sie.
  6. Weiter zur Wahl. Die übrigen Seiten nimmst du mit in Die eine Idee wählen.

Fällt dir für eine Idee kein Satz ein, streich sie. Genau dafür ist die Seite da.

Wer hier schreibt

Oliver Bayer

Oliver Bayer

Sammelt, was erfolgreiche Creator anders machen, und übersetzt es in einen Ablauf, den du für jedes Video nutzen kannst.

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