Teil von YouTube-Intro · Den Klick bestätigen
Vor dem Klick fragt sich ein Zuschauer: Welches Video schaue ich? Nach dem Klick fragt er sich etwas anderes: Soll ich weiterschauen?
Jake Trinder zerlegt diese zweite Frage in drei. Trinder baut mit seiner Agentur YouTube-Kanäle für Unternehmen auf. Nach eigener Aussage betreut er über 100 Kanäle. In einem seiner Vorträge, die auch für seine Agentur werben, nennt er die drei Fragen nach dem Klick:
- Bekomme ich, wofür ich geklickt habe?
- Kann diese Person das wirklich liefern?
- Ist der Rest meine Zeit wert?
Die erste Frage beantwortet das Versprechen. Die dritte beantwortet der Plan. Die zweite beantwortet der Beweis. Und genau die vergessen laut Trinder die meisten. Sie versprechen etwas und sagen nie, warum man ausgerechnet ihnen zuhören sollte. Dieser Artikel zeigt, wie du im Intro Vertrauen aufbaust, bevor der Zuschauer weiterklickt.
Der Beweis ist der Satz oder das Bild im Intro, das zeigt: Diese Person kann liefern, was der Titel verspricht. Das Intro sind die ersten Sekunden eines Videos, bis der Hauptteil beginnt.
Versprechen, Beweis, Plan
Trinder nennt seine Antwort auf die drei Fragen „Promise, Proof, Plan“, auf Deutsch Versprechen, Beweis, Plan. Das Versprechen bestätigt den Klick. Wie das geht, steht in Den Klick bestätigen. Der Plan zeigt, wohin das Video geht. Mehr dazu in Ziel und Fahrplan.
Dazwischen liegt der Beweis. Trinder rät, dafür deinen „unfair edge“ zu finden, deinen unfairen Vorteil. Gemeint ist das, was du zu einem Thema sagen kannst und andere nicht. Damit sollst du dich als die Person zeigen, die sich hier besser auskennt als jeder andere. Wo so ein Vorteil herkommt, zeigt Warum gerade du?.
Trinder rät außerdem, an diesem Satz lange zu feilen. Der Grund: Du kannst ihn in jedem Video wieder verwenden.
Der Beweis muss zum Klick passen
Ein Satz über dich ist noch kein Beweis. Er muss zu dem passen, wofür der Zuschauer geklickt hat. Trinder sagt in einer Fragerunde: Du willst Autorität für genau das beweisen, wofür sie geklickt haben. Das sei entscheidend. Und genau da machten viele den Fehler.
Ein Beispiel: Eine Sprachschule hat einen YouTube-Kanal. Ein Video heißt „In drei Monaten Spanisch sprechen: So hat Lena es geschafft“. Lena ist eine Kursteilnehmerin. Zwei mögliche Beweise:
- Passt nicht: „Unsere Schule gibt es seit 20 Jahren.“ Das sagt etwas über die Schule. Über drei Monate sagt es nichts.
- Passt: Ein kurzer Ausschnitt. Lena bestellt in einem Café in Madrid, fließend, ohne Pause. Dazu ihr Satz: „Vor drei Monaten konnte ich nur ‚Hola‘ sagen.“
Der zweite Beweis zeigt genau das, was der Titel verspricht. Und er braucht dafür fünf Sekunden.
Prüf jeden Beweis mit einer Frage: Würde dieser Satz auch in einem Video über ein ganz anderes Thema funktionieren? Wenn ja, beweist er zu wenig.
Erzähl, was du getan hast
Der Unternehmer Alex Hormozi schreibt in seinem Buch $100M Leads über seine Erfahrungen mit Inhalten im Netz. Sein erster Rat: Wechsle von „How to“ zu „How I“. Also von „So machst du es“ zu „So habe ich es gemacht“. Von „Das ist der beste Weg“ zu „Das ist mein liebster Weg“.
Hormozis Begründung: Wenn du über deine Erfahrung sprichst, kann dir niemand widersprechen. Das mache dich unangreifbar. Er rät das vor allem für den Anfang.
Für den Beweis im Intro ist das ein Werkzeug. Wer erzählt, was er getan hat, beweist es im selben Satz. Wer erzählt, was andere tun sollen, muss den Beweis erst nachliefern.
Ein Beispiel: Ein Dating-Kanal macht ein Video darüber, wie man ein zweites Date vorschlägt.
- „So schlägst du ein zweites Date vor“ ist ein Rat. Warum sollte man ihn glauben?
- „Ich habe ein Jahr lang nach jedem ersten Date dieselbe Nachricht geschickt. So oft kam ein Ja.“ Das ist ein Erlebnis. Niemand kann sagen, dass es nicht passiert ist.
Das heißt nicht, dass du nie einen Rat geben darfst. Aber der erste Satz, der Vertrauen schaffen soll, steht stärker auf etwas, das du selbst erlebt hast.
Der stille vierte Punkt: für wen das Video ist
Trinder ergänzt in der Fragerunde einen vierten Punkt. Er nennt ihn den stillen vierten Punkt: Persona. Eine Persona ist eine genaue Beschreibung des Menschen, für den das Video gemacht ist. Wie du sie erstellst, steht in Persona erstellen.
Im Intro heißt das: Mach klar, für wen das Video ist. Direkt oder zwischen den Zeilen. Trinders Beispiel ist ein Kunde, der nur mit Online-Händlern arbeitet. In dessen Videos nennt das Team die Online-Händler zuerst. So wissen sie: Das ist vor allem für mich. Danach erwähnt das Team auch die anderen, die zuschauen. Trinder sagt sinngemäß: Wer seinen eigenen Namen hört, denkt sofort, das ist für mich.
Der Trick dahinter ist alt. In der Werbung heißt so ein Ruf an eine bestimmte Gruppe Callout. Wie er wirkt, steht in Auslöser der Zielgruppe.
Ein Beispiel: Die Sprachschule nennt im Intro zuerst ihre Kerngruppe: „Wenn du für den Job nach Spanien ziehst …“ Dann öffnet sie den Kreis: „… oder im Urlaub mehr sagen willst als ‚una cerveza‘.“ Die Kerngruppe fühlt sich gemeint. Die anderen bleiben trotzdem.
Braucht jedes Video einen Beweis?
Paddy Galloway gibt dem Beweis keinen eigenen Schritt. Galloway ist YouTube-Stratege und berät große Kanäle wie MrBeast. Er hat nach eigener Aussage rund 10.000 Intros geschrieben. Sein Intro hat drei Schritte: das Versprechen halten, Neugier wecken, ohne Bruch ins Video übergehen. Ganz fehlt der Beweis bei ihm aber nicht. Unter den Merkmalen der besten Intros nennt Galloway auch, dass sie mit Belegen anfangen.
Eine mögliche Erklärung, die keine der Quellen so sagt: Der Unterschied hängt an der Art des Videos. Bei einem Video, in dem etwas Spektakuläres passiert, ist das Bild selbst der Beweis. Wer sieht, wie jemand aus 20 Metern Höhe in einen Pool springt, fragt nicht, ob der Creator das kann. Bei einem Video, das Wissen oder Rat verspricht, sieht der Zuschauer nichts. Er muss dir glauben. Dann braucht er einen Grund.
Einen Teil dieses Grundes bringt der Zuschauer schon mit. Viele Views unter deinen Videos wirken wie ein Vorschuss an Vertrauen. Mehr dazu in Die Klickrate. Und manchmal zweifelt der Zuschauer nicht an dir, sondern an sich selbst oder an der Lösung. Welcher Zweifel wann kommt, steht in Wie bereit sind deine Zuschauer?. Wie du einen Zweifel im Video ausräumst, zeigt Einwände vorwegnehmen.
Grenzen
Ein Satz reicht meist. Der Beweis soll Vertrauen schaffen, nicht das Intro füllen. Wer drei Sätze über sich redet, bevor das Video anfängt, verliert die Leute. Wie lang ein Intro sein darf, steht in Wie lang darf ein Intro sein?.
Ein Beweis ist keine Angeberei. „Ich bin die beste Dating-Expertin im Netz“ ist eine Behauptung. „Ich habe ein Jahr lang nach jedem ersten Date dieselbe Nachricht geschickt“ ist ein Erlebnis. Nur das zweite kann der Zuschauer sich vorstellen.
Der Beweis muss stimmen. Ein erfundener Beweis fällt vielleicht nicht im Intro auf. Aber spätestens in den Kommentaren.
Trinders Rat stammt aus Vorträgen für seine Agentur. Seine Beispiele sind Kanäle von Unternehmen, die etwas verkaufen. Dort hängt am Vertrauen ein Kauf. Bei einem Unterhaltungskanal zählt der Beweis weniger, wenn das Bild selbst überzeugt.
Übung: Dein Beweis-Satz
- Nimm dein nächstes Video. Schreib den Titel auf.
- Schreib fünf Gründe auf, warum man dir zu genau diesem Titel zuhören sollte. Erlebnisse, Zahlen, Zugang, Fehler, die du selbst gemacht hast.
- Streich jeden Grund, der auch zu einem anderen Video passen würde.
- Formulier den stärksten Grund als „How I“. Ein Satz, der erzählt, was du getan hast. Höchstens 20 Wörter.
- Prüf, ob du ihn zeigen kannst. Gibt es einen Ausschnitt, ein Foto, einen Bildschirm, der den Satz belegt? Dann zeig ihn, während du sprichst.
- Schreib einen Persona-Satz. Nenn zuerst deine Kerngruppe, dann alle anderen.
- Lies das ganze Intro laut und stopp die Zeit. Dauert es mit Beweis und Persona deutlich länger als das Versprechen allein, kürz den Beweis auf einen Satz.