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Noah Kagan ist Unternehmer und macht YouTube-Videos über Business. Als Paddy Galloway mit ihm zu arbeiten begann, bekamen Kagans Videos etwa 5.000 bis 10.000 Views.
Galloway ist einer der bekanntesten YouTube-Strategen. Im Podcast, in dem er diese Geschichte erzählt, heißt es: Seine Arbeit steckt hinter über 50 Milliarden Views, unter anderem für MrBeast und Red Bull.
Kagans Team hatte eine Idee: an die Türen großer Häuser klopfen und die Besitzer fragen, wie sie reich geworden sind. Es fehlte noch das Thumbnail, das Vorschaubild des Videos.
Galloway fiel ein Video ein, das Jahre vorher viral gegangen war. Ein kleiner Kochkanal hatte bei Kanadiern geklingelt und gefragt, ob er in ihrer Küche kochen darf. Auf dem Thumbnail stand diese Frage als Text in der Mitte. Daneben eine Person, die überrascht die Tür öffnet, und der Koch mit verkehrt herum getragener Baseballkappe. Nach Galloways Erinnerung hatte das Video rund 9 Millionen Views. Er hatte es damals gesehen und gedacht: Das benutze ich irgendwann.
Also bekam Kagan dasselbe Bild: ausgestreckte Hände, Kappe verkehrt herum, Text in der Mitte, ein überraschter Mensch an der Tür. Den Titel bauten sie nach einem Titel des Unternehmers Alex Hormozi. Die Idee selbst kannten sie aus Kurzvideos von Daniel Mac, der Besitzer von Sportwagen fragt, womit sie ihr Geld verdienen. Kagans Video bekam 5 Millionen Views. Laut Galloway wurde es das viralste Business-Video des Jahres. Heute klopfen unzählige Kanäle an fremde Türen.
Fragt man Galloway, wie er auf so etwas kommt, antwortet er sinngemäß: „Ich zeig dir meine Playlist von vor drei Jahren. Da habe ich es reingelegt.“
Hier erfährst du, wie diese Playlists funktionieren, wie du sie anlegst und wo die Methode an Grenzen stößt.
Woher die Methode kommt
Galloway nennt die Playlists eine der klügsten Sachen, die er früh in seiner Karriere gemacht hat. Er nennt sie nicht Study-Playlists. Der Name beschreibt aber gut, wofür sie da sind: zum Lernen.
Die Idee ist älter als YouTube. Werbetexter sammeln seit Langem gute Anzeigen. So eine Sammlung heißt Swipe File. Gary Halbert war einer der bekanntesten Werbetexter der USA. Er schrieb viele Werbebriefe, die per Post verschickt wurden. Aus dem Gefängnis schrieb er seinem Sohn Briefe über das Handwerk. Einer seiner Ratschläge: Leg dir eine Sammlung guter Anzeigen und Werbebriefe an, lies sie und mach dir Notizen. An anderer Stelle beschreibt er, was erfolgreiche Werbetexter tun: Sie halten ihre Sammlung aktuell und legen Ordner an, mit Zeitungsartikeln, ungewöhnlichen Infos und guten Layouts.
Galloway hat dasselbe auf YouTube übertragen. Statt Anzeigen sammelt er Videos.
Schritt 1: Eine Playlist pro Baustein
Galloway hat in seinem YouTube-Konto mehrere Playlists angelegt. Jede ist nach dem benannt, was sie sammelt:
- Ausreißer: Videos, die viel besser laufen als die anderen Videos ihres Kanals.
- Titel: Titel, bei denen du sofort klicken willst.
- Thumbnail: Vorschaubilder, die dir auffallen.
- Intro: Anfänge, nach denen du unbedingt weiterschauen wolltest.
- Zuschauerbindung: Videos, die dich bis zum Ende gehalten haben. Galloway nennt die Playlist „Retention“, das englische Wort dafür.
So geht es auf YouTube: Unter jedem Video gibt es den Knopf „Speichern“. Dort legst du eine neue Playlist an. Stell sie auf „Privat“, dann sieht sie nur du.
Wichtig ist die Trennung. Ein Video mit einem schwachen Titel kann ein großartiges Intro haben. Dann gehört es in die Intro-Playlist und nur dorthin. So weißt du später, warum du es gespeichert hast.
Schritt 2: Speichere nebenbei
Galloway sagt: Jede Woche schaue ich sowieso YouTube, wie wir alle. Sieht er dabei etwas Gutes, speichert er es. Ein virales Video kommt in die Ausreißer-Playlist. Ein starkes Intro in die Intro-Playlist.
Du brauchst dafür also keine Extra-Zeit. Du brauchst nur die Gewohnheit, auf „Speichern“ zu tippen. Und zwar auch bei Videos, die nichts mit deinem Thema zu tun haben. Kagans Thumbnail kam von einem Kochkanal.
Ein Beispiel: Ein Bildungsanbieter macht einen Wissenskanal. Er erklärt, wie Technik im Alltag funktioniert. Abends schaut die Redakteurin eine Doku über einen Bankraub. Sie beginnt mit dem Ende: Polizei vor der Bank. Dann springt sie zurück zum Plan der Räuber. Die Redakteurin speichert die Doku in der Intro-Playlist.
Ein zweites Beispiel: Eine Dating-Coachin sieht bei einem Einrichtungskanal ein Thumbnail mit einem Zimmer vorher und nachher. Sie speichert es in ihrer Thumbnail-Playlist.
Schritt 3: Geh sie jede Woche durch
Das Speichern ist der leichte Teil. Der wichtige ist der feste Termin. Galloway plant jede Woche drei bis fünf Stunden ein, in denen er seine Playlists durchgeht. Er schaut die Videos noch einmal und notiert, was ihm gefallen hat und was nicht. Daraus nimmt er Ideen mit.
Drei bis fünf Stunden sind viel. Fang mit einer Stunde pro Woche an. Notier zu jedem Video vier Dinge:
| Frage | Notiz der Redakteurin (Beispiel) |
|---|---|
| Was fällt auf? | Die Doku beginnt mit dem Ende: Polizei vor der Bank. |
| Warum wirkt es vermutlich? | Ich weiß, wie es ausgeht, und will wissen, wie es dazu kam. |
| Was davon passt zu mir? | Ein Video, das mit dem Ergebnis beginnt. |
| Erste Idee | „So rettet dich ein Airbag“. Das Video beginnt mit dem Crashtest in Zeitlupe. Dann springt es zurück: Was passiert in den Millisekunden davor? |
Die zweite Frage ist die wichtigste. Wer nur übernimmt, was er sieht, kopiert Oberflächen. Wer versteht, warum etwas wirkt, kann es auf sein Thema übertragen. Mehr dazu in Kopier die Ursache, nicht die Worte.
Warum es wirkt: Ideen mit Verzögerung
Galloway beschreibt sein Gehirn so: Ich lasse ständig Dinge durch meine Augen laufen, die bei anderen funktioniert haben. Wenn ich dann ein Problem habe oder eine Idee brauche, kann ich Videos hervorholen, die vor sechs Jahren auf irgendeinem Kanal viral gingen.
Er vergleicht das mit Fitness. Wer richtig fit werden will, umgibt sich mit Leuten, die sehr wenig Körperfett haben. Dann lässt er eher mal den Burger weg. Wer gute Videos machen will, umgibt sich mit Videos, die funktioniert haben.
Die Playlists sorgen dafür, dass du nicht nur auf dein Gedächtnis angewiesen bist. Galloway erinnerte sich an das Kochvideo. Mit einer Playlist findest du so ein Video auch dann wieder, wenn du es vergessen hast.
MrBeast beschreibt denselben Effekt ohne Playlist: Was du einmal gesehen hast, kann dir zehn oder hundert Videos später einfallen. Mehr dazu in Deine Informations-Diät.
Drei typische Fehler
1. Speichern und nie wieder anschauen. Eine Playlist mit 300 Videos, die du nie durchgehst, ist ein Friedhof. Galloways Methode lebt vom festen Termin.
2. Nur Gewinner sammeln. In deine Ausreißer-Playlist kommen nur Videos, die funktioniert haben. Du siehst nicht, wie viele ähnliche Videos gefloppt sind. Ein Format kann bei einem Kanal zünden und bei zehn anderen untergehen. Wie du das prüfst, zeigt Untersuch auch die Flops.
3. Ein Video eins zu eins nachbauen. Kagans Video war keine Kopie. Galloway nahm das Thumbnail von einem Kochkanal, den Titel von Hormozi und die Idee aus Kurzvideos. Er setzte drei Teile aus drei Quellen zusammen. Je mehr Bausteine du gesammelt hast, desto eher entsteht etwas Neues.
Wo die Methode an Grenzen stößt
Für Galloway ist es der Beruf. Er sagt selbst: Mein Job ist, YouTube zu schauen und zu studieren, was funktioniert. Wenn du neben dem Kanal arbeitest, sind fünf Stunden pro Woche oft nicht drin. Eine Stunde mit Notizen bringt mehr als fünf Stunden Scrollen ohne.
Es ist ein Erfahrungsbericht. Galloway erzählt, was bei ihm funktioniert. Eine Studie dazu gibt es nicht. Im selben Podcast wird außerdem 1of10 empfohlen, ein kostenpflichtiges Werkzeug zum Finden von Ausreißern. Ausreißer finden kannst du aber auch von Hand: Ausreißer finden: die 3×-Regel.
Nicht jede Idee kommt aus dem Archiv. Der Filmemacher Van Neistat sagt: Seine besten Ideen kommen, wenn er entspannt ist, nicht wenn er gezielt studiert. Beides schließt sich nicht aus. Die Playlist füllt deinen Vorrat. Ob dir daraus im richtigen Moment etwas einfällt, lässt sich nicht planen. Mehr dazu in Deine Informations-Diät.
Gesammelt ist nicht gedreht. Aus der Playlist kommen Bausteine, keine fertigen Videos. Welche Idee du am Ende umsetzt, entscheidest du beim Hebel Idee.
Übung: Deine ersten drei Playlists
- Leg drei private Playlists an: Ausreißer, Titel, Thumbnail. Intro und Zuschauerbindung kommen später dazu.
- Speichere eine Woche lang jedes Video, das dir auffällt. Mindestens drei davon kommen aus Themen, die nichts mit deinem zu tun haben.
- Trag dir einen festen Termin ein: eine Stunde, jede Woche am selben Tag.
- Füll für fünf Videos die Tabelle aus wie die Redakteurin: Was fällt auf? Warum wirkt es vermutlich? Was davon passt zu mir? Erste Idee.
- Schreib die Ideen in deine Liste. Warum du sie sofort festhalten solltest, steht in Außerhalb jeder Nische.