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Recherche · 14.10.2026 · Oliver Bayer

Kopier die Ursache, nicht die Worte: So übernimmst du, was bei anderen Videos funktioniert

Warum lief das Video wirklich? Oben der Videotitel „Ich habe 300 YouTube-Videos gemacht und das gelernt“. Darunter, gestrichelt, drei Kästchen: Versprechen, Publikum, Aufbau.

Teil der Content-Recherche · Steal Like an Artist

„Ich habe 300 YouTube-Videos gemacht und das gelernt.“ So heißt ein Video, das gut lief. Die Agentur von Jake Trinder hat das Format übernommen. Daraus wurden Titel wie „Ich habe 10 Millionen Kalt-E-Mails verschickt und das gelernt“ und „Ich habe 500.000 Kaltakquise-Anrufe gemacht und das gelernt“.

Die Titel waren gut. Aber laut Trinder lag ein großer Teil des Erfolgs woanders: Das Vorbild-Video hatte 20 bis 40 Punkte. Hätte sein Team nur den Titel kopiert, hätte das Video floppen können. Andere Videos mit demselben Titelformat liefen nicht. Sie waren kurze Listen mit drei bis fünf Punkten.

Trinders Rat: Kopier nicht die Worte. Finde heraus, warum die Leute überhaupt geklickt haben.

Wie du von anderen klaust und daraus etwas Eigenes machst, zeigt der Artikel Steal Like an Artist. Hier lernst du das Werkzeug für den ersten Schritt: die Ursache finden.

Woher der Rat kommt

Jake Trinder hat seinen ersten YouTube-Kanal mit zehn Jahren gestartet. Heute betreut seine Agentur nach eigenen Angaben über 100 YouTube-Kanäle, darunter den des US-Unternehmers Gary Vaynerchuk. Seine Kunden sind meist Unternehmen. Ihre Videos sollen nicht nur Views bringen, sondern Kunden.

Den Rat gibt er in einem Vortrag über seine Arbeit. Ein Format ist dort eine bewährte Art, ein Versprechen zu präsentieren. Viele sehen ein erfolgreiches Video und denken: Das nehme ich und dreh es auf meine Nische. Trinder hält dagegen: Ein Ergebnis kann mehr als eine Ursache haben. Bevor du übernimmst, finde heraus, welche es war.

Der Künstler Austin Kleon schreibt in seinem Buch Steal Like an Artist dasselbe über Kunst: Klau nicht nur den Stil deiner Vorbilder, sondern das Denken dahinter. Mehr zu Kleon steht in Steal Like an Artist.

Dafür stellst du einem Vorbild-Video drei Fragen.

Frage 1: Warum klicken die Leute?

Der Titel ist nicht die Ursache. Die Ursache ist das, was der Titel verspricht.

Trinders Beispiel ist ein Format, das viele große Kanäle nutzen, etwa der US-Unternehmer Alex Hormozi: „So bekommst du X so schnell, dass es sich wie Schummeln anfühlt.“ Warum klicken die Leute? Trinder sagt: Sie bekommen ein Ergebnis, das sie sowieso wollen. Schneller, als sie es für möglich halten. Und es fühlt sich an wie ein unfairer Vorteil.

So eine Antwort ist die Ursache. Sie lässt sich übertragen. Die Worte „wie Schummeln“ allein nicht.

Bei meinem Dating-Kanal brachten die Videos am meisten Zuschauer, die Symptome ansprachen. Viele kannten die Symptome, aber nicht den Grund dafür. Andere Videos weckten eine Angst. Themen wie Trennung, Beziehungsprobleme oder toxische Beziehungen kennen sehr viele. Wer nur das Thema „toxische Beziehung“ übernimmt, kopiert die Worte. Die Ursache ist: Der Zuschauer erkennt sich im Symptom wieder und will endlich den Grund wissen.

Fürs Video heißt das: Schreib unter das Vorbild einen Satz, der mit „Die Leute klicken, weil sie …“ beginnt. Steht danach nur das Thema, such weiter.

Frage 2: Warum passt es zu genau diesem Publikum?

Eine Ursache wirkt nicht bei jedem. Sie muss zu dem passen, was dein Publikum will.

Trinder nennt ein Gegenbeispiel: MrBeast, der größte YouTuber der Welt, hat Videos wie „1 Dollar gegen 10.000 Dollar“. Viele übertragen so ein Format auf ein Publikum aus der Geschäftswelt. Dort ergibt es keinen Sinn. Die Leute schauen aus ganz anderen Gründen. Welche Nischen ein ähnliches Publikum haben, zeigt Nachbar-Nischen.

Ein ausgedachtes Beispiel: Ein Bildungsunternehmen mit eigenem Coaching startet einen YouTube-Kanal. Es bringt Erwachsenen bei, schneller zu lernen. Das Team sieht das „Schummeln“-Format. Passt die Ursache? Ja. Wer lernt, will schneller zum Ziel als gedacht. Passen die Worte? Nein. „Lernen so schnell, dass es sich wie Schummeln anfühlt“ klingt nach Spickzettel in der Prüfung. Also behält das Team die Ursache und tauscht die Worte: „Vokabeln in der halben Zeit: die Methode, die sich wie ein unfairer Vorteil anfühlt“.

Fürs Video heißt das: Prüf, ob deine Zuschauer das Versprechen genauso dringend wollen wie die Zuschauer des Vorbilds. Wenn ja, übernimm die Ursache und prüf jedes Wort neu.

Frage 3: Was hält sie im Video?

Der Klick ist nur die halbe Ursache. Trinders 300-Videos-Format lief, weil das Video danach lieferte: 20 bis 40 Punkte, nicht drei.

Gleicher Titel, anderes Ergebnis: zwei Videos mit dem Titel „Ich habe … gemacht und das gelernt“. Links 30 grüne Punkte: 20 bis 40 Punkte, lief. Rechts 4 rote Punkte: drei bis fünf Punkte, lief nicht.

Trinder nennt, worauf du achten sollst:

  • Thumbnail, also das Vorschaubild.
  • Aufbau: Wie ist das Video gegliedert? Wie viele Punkte hat es?
  • Darstellung: Spricht jemand vor einem Whiteboard? Ist es ungeschnitten und roh? Ist es eine Bildschirmaufnahme?
  • Ein eigener Stil, der auffällt.

All das sei ein Signal, sagt Trinder. Es hilft dir, bessere Entscheidungen zu treffen.

Das Bildungsunternehmen aus dem Beispiel will ein Video im 300-Videos-Format drehen: „Wir haben 1.000 Erwachsene gecoacht und das gelernt.“ Im ersten Entwurf stehen vier Erkenntnisse. Nach Trinders Beobachtung ist das zu wenig. Das Format verspricht viel Erfahrung auf einmal. Also sammelt das Team erst 25 Punkte oder wählt ein anderes Format.

Fürs Video heißt das: Schau dir das Vorbild ganz an, nicht nur Titel und Thumbnail. Zähl die Punkte, stopp die Länge, schreib die Darstellung auf.

Drei Fragen an ein Vorbild-Video, Beispiel „Ich habe 300 YouTube-Videos gemacht und das gelernt“. 1 Warum klicken die Leute? Viel Erfahrung auf einmal. 2 Warum passt es zu genau diesem Publikum? Sie wollen von jemandem lernen, der es schon oft getan hat. 3 Was hält sie im Video? 20 bis 40 Punkte.

Wenn dein eigenes Video funktioniert hat

Dieselben drei Fragen stellst du deinen eigenen Erfolgen. Trinders Team hat für den US-Unternehmer Gary Vaynerchuk ein Titelformat aus anderen Nischen übernommen: „Die neuen Regeln von …“. Wie das ablief, steht in Nachbar-Nischen. Das Video „Die neuen Regeln von Social Media“ kam auf 300.000 Views. Vorher hatte Garys Kanal 10.000 bis 20.000 Views pro Video.

Danach fragte das Team nicht: Wie machen wir dasselbe Video noch mal? Sondern: Warum hat es funktioniert? Die Antwort: Social Media ist Garys Thema, und er vertritt seit Langem eine These. Social Media, wie wir es kannten, ist vorbei. Er nennt das Neue „Interest Media“. Videos über so einen Wandel liefen auch bei anderen gut. Trinder baute daraus ein neues Titelformat: „Die neue Ära von … hat gerade begonnen.“ Das Thumbnail übernahm er von einem anderen Video über einen Wandel. Garys Video stand bald bei über 400.000 Views.

Trinder sagt sinngemäß: Nachlegen heißt, den Grund zu bewahren, warum etwas funktioniert hat, und einen neuen Weg zu finden, ihn zu nutzen.

Fürs Video heißt das: Läuft ein Video gut, dreh es nicht noch einmal. Schreib auf, warum es lief, und such ein neues Video mit demselben Grund. Wie du eigene Ausreißer findest, zeigt Kopier dich selbst zuerst.

Vier typische Fehler

1. Nur das Thema austauschen. Gleicher Titel, anderes Thema, fertig. Das ist die Wort-Kopie, vor der Trinder warnt.

2. Einem einzigen Video glauben. Ein virales Video ist ein Hinweis, kein Beweis. Trinder sagt: Wer ein erfolgreiches Video findet, übersieht vielleicht die 100 anderen mit demselben Format, die gefloppt sind. Wie du die Flops findest, zeigt Untersuch auch die Flops.

3. Das Publikum vergessen. Die Ursache stimmt, aber deine Zuschauer wollen etwas anderes. Siehe Frage 2.

4. Die Worte des Vorbilds behalten, obwohl sie nicht passen. Die Ursache stimmt, aber ein Wort weckt bei deinen Zuschauern das falsche Bild. Siehe das „Schummeln“ beim Lernen.

Wo das Werkzeug an Grenzen stößt

Du rätst die Ursache von außen. Du siehst nur das fertige Video, nicht die Gründe. Deshalb ist auch die beste Analyse vor dem Hochladen nur eine Vermutung. Trinder sagt selbst: Am Ende entscheidet der Markt. Schau nach jedem Video, ob deine Vermutung stimmte. Wie du Ergebnisse auswertest, zeigt der Hebel Analyse.

Manchmal sind die Worte selbst ein Teil der Ursache. Es gibt Wörter, in denen sich deine Zuschauer wiedererkennen. Die solltest du übernehmen, aber von deinen Zuschauern, nicht vom Vorbild. Wie du sie sammelst, zeigt Zielgruppe finden.

Trinder verkauft genau diese Arbeit. Am Ende seines Vortrags sagt er, warum seine Kunden gewinnen: Sein Team recherchiere jede Woche Hunderte Stunden, mit eigenen KI-Werkzeugen. Wer mehr Kanäle betreut, sieht mehr Daten. Das ist plausibel, aber auch Werbung. Alle Zahlen in diesem Artikel hat Trinder selbst genannt. Gezeigt hat er nur Erfolge.

Übung: Drei Vorbilder zerlegen

  1. Such drei Videos, die deutlich besser liefen als der Rest ihres Kanals. Wie du sie findest, zeigt Deine eigene Nische.
  2. Füll für jedes die Vorlage aus.
  3. Such zu jedem Format zwei Videos, die nicht liefen. Was ist dort anders?
  4. Schreib erst dann deinen Titel. Er muss dieselbe Ursache tragen, nicht dieselben Worte.
FrageBeispiel: „Ich habe 300 YouTube-Videos gemacht und das gelernt“
Warum klicken die Leute?Sie bekommen viel Erfahrung auf einmal, ohne sie selbst sammeln zu müssen.
Warum passt es zu diesem Publikum?Sie wollen selbst Videos machen und von jemandem lernen, der es schon oft getan hat.
Was hält sie im Video?20 bis 40 Punkte, schnell hintereinander.
Was übernehme ich?Viel Erfahrung als Versprechen, viele Punkte im Video.
Was mache ich anders?Meine eigene Erfahrung, mein Thema, meine Zuschauer.

Die ersten beiden Antworten sind Beispiele, die Trinder so nicht wörtlich nennt. Die dritte stammt von ihm.

Wer hier schreibt

Oliver Bayer

Oliver Bayer

Sammelt, was erfolgreiche Creator anders machen, und übersetzt es in einen Ablauf, den du für jedes Video nutzen kannst.

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