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Positionierung · 14.10.2026 · Oliver Bayer

Der Ein-Wort-Filter: Ein Wort, durch das jede Video-Idee passen muss

Passt die Idee durch dein Wort? Ideen-Kärtchen liegen auf einer blauen Linie mit der Beschriftung „dein Wort“. Durch eine Lücke fällt ein grünes Kärtchen nach unten.

Teil der Positionierung · Wofür dein Kanal steht

Drei YouTuber bekommen dasselbe Thema: Disneyland.

MrBeast mietet den ganzen Park. Ryan Trahan übernachtet in jedem Hotel von Disneyland. Airrack schleicht sich hinein und versucht, so lange wie möglich dort zu bleiben.

Dasselbe Thema, drei Videos. Keins davon könnte auf einem der anderen Kanäle laufen, ohne dass die Zuschauer stutzen. Der Grund ist jeweils ein einziges Wort.

Ein Thema, drei Wörter: Von „Disneyland“ führen drei Pfeile zu drei Wörtern. Spektakel: MrBeast mietet den ganzen Park. Schräg: Ryan Trahan übernachtet in jedem Hotel. Unfug: Airrack schleicht sich hinein und bleibt so lange wie möglich.

Warum ein Kanal überhaupt ein Wort besitzen sollte, zeigt der Artikel Wofür dein Kanal steht. Hier erfährst du, woher der Filter kommt, wie du dein Wort findest und wo der Filter an Grenzen stößt.

Woher der Filter kommt

Yikes ist YouTuber. Er hat 2020 als Schüler mit kurzen Meme-Videos angefangen. Im Podcast des Analyse-Tools 1of10 erzählte er seine Kanalgeschichte. Er hatte gerade 1,5 Millionen Abonnenten erreicht.

Dort wurde er gefragt, wie er auf seine Ideen kommt. Seine Antwort: Am meisten habe ihm ein Interview mit dem YouTuber Airrack geholfen. Airrack sprach darin über Filter beim Ideen-Finden. Jede Idee muss durch ein Wort passen.

Yikes zählt die Wörter auf:

CreatorWort
AirrackUnfug (englisch „mischief“). Dazu ein zweites: verspielt. Das Video darf nicht richtig böse sein.
MrBeastSpektakel
Ryan Trahanschräg (englisch „quirky“) oder nachvollziehbar
Yikesonline, genauer: „chronically online“, ständig online

MrBeast ist laut dem YouTube-Strategen Paddy Galloway der größte Creator der Welt. Ryan Trahan ist ebenfalls YouTuber. In seiner Ideen-Runde hat Yikes eine Zeit lang jede Woche Titel und Thumbnails vorgeschlagen. Thumbnails sind die Vorschaubilder der Videos.

Das Disneyland-Beispiel stammt von Airrack. Er erklärt damit den Filter.

Die Idee dahinter ist älter: Die Marketing-Berater Al Ries und Jack Trout schrieben 1993, am stärksten sei eine Marke, die ein Wort im Kopf der Kunden besitzt. Mehr dazu in Wofür dein Kanal steht.

Wie der Filter arbeitet

Er erzeugt keine Ideen. Er verteilt sie. Das Thema Disneyland kann jeder nehmen. Der Filter entscheidet, welches Video daraus auf deinem Kanal wird. Wie du überhaupt auf Ideen kommst, zeigt der Hebel Idee.

Er wirkt nur, wenn er etwas tötet. Yikes erzählt, er habe Ideen gehabt, die richtig gut gelaufen wären. Sie passten aber nicht durch sein Wort. Auf seinem Kanal hätten sie zufällig gewirkt. Also hat er sie an andere YouTuber geschickt, zu denen sie passten.

Er macht dich wiedererkennbar. Ein Zuschauer, der drei Videos von Yikes gesehen hat, weiß, was ihn im vierten erwartet: etwas aus dem Internet. Das Wort kommt nicht in den Kopf der Zuschauer, weil du es behauptest. Es kommt hinein, weil du es immer wieder zeigst.

Die vier Wörter sind verschiedene Arten von Wörtern. „Unfug“ ist eine Haltung. „Spektakel“ ist eine Größe. „Schräg“ ist ein Ton. „Online“ ist eine Welt. Dein Wort kann jede dieser Arten sein. Wichtig ist nur: Man muss es dem Video schon an der Idee ansehen.

Fürs Video heißt das: Frag bei jeder neuen Idee zuerst: Passt sie durch mein Wort? Erst dann: Ist sie gut?

So findest du dein Wort

Yikes hat sein Wort nicht ausgesucht. Er hat es gefunden. Als er über Airracks Filter nachdachte, merkte er: Alle seine Videos der letzten etwa zwei Jahre hatten mit dem Internet zu tun. Er hatte es nur nie bemerkt.

Das ist auch der beste Weg für dich:

  1. Schreib deine zehn besten Videos auf. Die mit den meisten Views im Vergleich zu deinem Schnitt, nicht die mit den meisten Views insgesamt. Wie du das rechnest, zeigt der Artikel Ausreißer finden.
  2. Such das Gemeinsame. Nicht das Thema, sondern das, was du mit dem Thema gemacht hast. Warst du ehrlicher als andere? Lauter? Näher dran?
  3. Schreib drei Kandidaten auf. Einzelne Wörter, keine Sätze.
  4. Prüf jeden Kandidaten an 20 Ideen. Als grobe Faustregel: Ein gutes Wort lässt ungefähr die Hälfte durch. Lässt es alles durch, ist es zu weit. Lässt es fast nichts durch, ist es zu eng.
  5. Prüf, ob das Wort schon jemandem gehört. Hat ein großer Kanal deiner Nische dein Wort schon, such ein anderes. Warum, steht in Wofür dein Kanal steht.

Ein Beispiel aus der Psychologie: Ein Kanal über Alltagspsychologie findet in seinen besten Videos das Wort „entlarvt“. Jedes Video zeigt einen Trick und wie man ihn erkennt. „Wie Supermärkte dich zum Kaufen bringen“ passt durch. „Die 5 besten Psychologie-Bücher“ passt nicht, auch wenn es Klicks bringen würde.

Ein Beispiel aus der Dating-Nische

In der Dating-Nische ist der Filter besonders nützlich. Über Liebe hat jeder etwas zu sagen. Ohne Wort wird der Kanal zum Ratgeber für alles, von Outfits bis Hochzeit.

Ein Beispiel: Drei Dating-Kanäle machen ein Video über das erste Date.

  • Kanal A, Wort „ehrlich“: „Was er nach dem ersten Date wirklich denkt“
  • Kanal B, Wort „Studie“: „Was die Forschung über das perfekte erste Date weiß“
  • Kanal C, Wort „Experiment“: „Zehn erste Dates an zehn Orten: Wo es am besten lief“

Jeder Titel ist auf seinem Kanal richtig und auf den anderen falsch. Das ist der Disneyland-Test, übertragen auf deine Nische.

Kanal A, Wort „ehrlich“: Eine blaue Linie mit Lücken, beschriftet mit „ehrlich“. Oben bleiben drei Ideen liegen, die nicht passen: „10 Outfits fürs erste Date“, „Die 5 besten Dating-Apps“, „Zehn erste Dates an zehn Orten“. Vom letzten Kärtchen führt ein gestrichelter Pfeil zu „an einen anderen Creator weitergeben“. Zwei grüne Ideen passen durch: „Was er mit ‚Ich melde mich‘ wirklich meint“ und „Warum du nach dem ersten Date nichts mehr hörst“.

Typische Fehler

1. Dein Wort ist dein Thema. „Dating“ oder „Psychologie“ filtert nichts. Jede Idee aus deiner Nische passt durch. Das Wort muss sagen, wie du über dein Thema sprichst.

2. Du machst Ausnahmen für gute Ideen. Genau die soll der Filter aussortieren. Ein Video außerhalb deines Filters bringt Zuschauer, die dein nächstes Video nicht schauen. Wie du das vor dem Dreh prüfst, zeigt der 80-%-Test im Artikel Das Ziel deines Videos.

3. Du wählst das Wort, bevor du Videos hast. Auf einem neuen Kanal ist jedes Wort eine Vermutung. Dazu mehr unter „Grenzen“.

4. Das Wort steht nur in deinem Kopf. Die Zuschauer lernen es nicht aus deiner Kanalbeschreibung. Sie lernen es aus den Videos. Ein Video, das nicht passt, verwischt es.

Fürs Video heißt das: Leg dir eine Liste für Ideen an, die gut sind, aber nicht passen. Vielleicht passen sie zu einem befreundeten Creator.

Grenzen

Die Wörter wurden im Nachhinein abgelesen. Alle vier Wörter stammen von Kanälen, die schon erfolgreich waren. Yikes hat sein Wort erst nach zwei Jahren in seinen alten Videos entdeckt. Ob ein Wort, das du dir vorher ausdenkst, genauso wirkt, zeigt diese Geschichte nicht. Und von Kanälen, die mit einem Wort gescheitert sind, hört man nichts.

Für einen neuen Kanal heißt das: Mach erst Videos. Probier Verschiedenes aus. Lies dann ab, was die erfolgreichen gemeinsam haben. Das Wort ist eine Zusammenfassung dessen, was schon funktioniert, nicht der Startpunkt.

Ein Filter kann zu eng werden. Wer nie etwas außerhalb seines Worts probiert, merkt nicht, wenn sich die Zuschauer verändern. Im Artikel Das Ziel deines Videos steht deshalb der Vorschlag, ungefähr jedes fünfte Video als Experiment zu nutzen. Ein Experiment darf das Wort dehnen. Es sollte nur nicht zur Regel werden.

Die Quelle ist ein einzelnes Gespräch. Yikes erzählt aus dem Gedächtnis von einem Interview, das er gehört hat. Ob Airrack es genau so gesagt hat, lässt sich aus dem Podcast nicht prüfen.

Übung: Dein Wort in 30 Minuten

  1. Öffne YouTube Studio und sortiere deine Videos nach Views. Nimm die zehn, die am stärksten über deinem Schnitt liegen.
  2. Schreib zu jedem ein Wort auf, das beschreibt, wie du das Thema angegangen bist.
  3. Streich doppelte Wörter zusammen. Welches kommt am häufigsten vor?
  4. Nimm deine nächsten 20 Ideen und prüf sie mit diesem Wort. Wie viele passen durch?
  5. Mach den Disneyland-Test: Nimm ein großes Thema deiner Nische. Wie würde ein Video dazu mit deinem Wort aussehen? Würde es auch auf einem anderen Kanal passen? Dann ist dein Wort noch nicht scharf genug.

Wer hier schreibt

Oliver Bayer

Oliver Bayer

Sammelt, was erfolgreiche Creator anders machen, und übersetzt es in einen Ablauf, den du für jedes Video nutzen kannst.

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