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Recherche · 14.10.2026 · Oliver Bayer

Format-Themen-Raster: So schreibst du 50 Video-Titel in einer Sitzung

Wo kommen 50 Titel her? Ein Raster: oben die Formate „24 Stunden ___“, „Ich habe 10 ___ getestet“ und „Ohne Erfahrung: ___“, links die Themen Titel, Thumbnails und Intros. Das Feld „Ich habe 10 Thumbnails getestet“ ist grün markiert, „24 Stunden Thumbnails“ ist durchgestrichen. Darunter: Ein Titel pro Feld.

Teil der Content-Recherche · Nachbar-Nischen

CommonLuke macht YouTube-Videos über Programmier-Projekte. Er versucht zum Beispiel, ein Schachspiel zu programmieren oder in 24 Stunden eine Programmiersprache zu lernen. Neben dem Hauptberuf arbeitet er abends an seinen Videos. In ein Video steckt er nach eigener Schätzung mindestens 40 Stunden.

Der Tech-YouTuber Bog hat ihn zu einem Live-Gespräch in seine YouTube-Community eingeladen. Laut Bogs Folien hatte CommonLuke seinen Kanal sieben Monate vorher gestartet. In dieser Zeit lud er elf lange Videos hoch. Sein Kanal hatte 53.000 Abonnenten. Ein Video kam im Schnitt auf rund 302.000 Views.

Seine Ideen schreibt CommonLuke laufend auf (mehr dazu in Außerhalb jeder Nische). Irgendwann gingen sie ihm aus. Seitdem setzt er sich jede Woche ein bis zwei Stunden an eine Tabelle. Oben stehen Video-Formate, links Themen. In jedes Feld schreibt er einen Titel. Am Ende hat er etwa 50 Titel und sucht sich den besten aus. Er sagt: „Das zwingt dich wirklich zum Nachdenken.“

Hier lernst du das Werkzeug: woher es kommt, wie du es baust, typische Fehler und wo es an Grenzen stößt.

Warum ein Raster bessere Ideen bringt

Ein Format ist der Bauplan eines Videos. Er legt fest, was der Titel verspricht und wie das Video abläuft. Das Thema ist austauschbar.

Bei CommonLuke sieht man das an seinen erfolgreichsten Videos. Laut Bogs Folien:

  • „I tried to code chess. It broke me.“ (Ich habe versucht, Schach zu programmieren. Es hat mich fertiggemacht.): 656.000 Views
  • „I tried to learn C“ (Ich habe versucht, C zu lernen): 546.000 Views
  • „I tested horrible coding languages“ (Ich habe schreckliche Programmiersprachen getestet): 400.000 Views
  • „I tested 15 horrible code editors“ (Ich habe 15 schreckliche Code-Editoren getestet): 294.000 Views

Zwei Baupläne tragen fast alles: „Ich habe versucht, ___“ und „Ich habe ___ getestet“. Das Thema wechselt, das Format bleibt.

Dass so ein fester Bauplan hilft, zeigt auch eine Studie aus der Werbung. Die Forscher Jacob Goldenberg, David Mazursky und Sorin Solomon von der Hebräischen Universität Jerusalem untersuchten 1999 preisgekrönte Anzeigen. 89 Prozent der 200 untersuchten Spitzen-Anzeigen ließen sich auf sechs wiederkehrende Muster zurückführen. Dann ließen sie drei Gruppen Anzeigen erfinden. Keiner der Teilnehmenden hatte vorher in der Werbung gearbeitet. Eine Gruppe lernte die Muster, eine zweite das freie Assoziieren, eine dritte bekam nur den Auftrag. Die Anzeigen der Muster-Gruppe wurden am besten bewertet. Das Training dauerte weniger als zwei Stunden.

Ein Raster macht genau das: Es gibt deinen Ideen eine Form, bevor du anfängst.

Schritt 1: Sammle Formate

CommonLuke holt seine Formate aus zwei Quellen. Aus seinen eigenen Videos, die gut gelaufen sind. Und aus anderen Nischen. Er sagt, er könne ein Minecraft-Video schauen und dabei auf ein Format für ein Programmier-Video kommen.

Seine Formate, wie er sie im Gespräch nennt:

  • Ich habe 24 Stunden lang ___ gemacht.
  • Ich habe 10 verschiedene ___ getestet.
  • Ich hatte keine Erfahrung und habe ___ versucht.
  • ___ Tage lang ___.
  • Ich zeige ___ einem Experten.
  • ___, aber mit einem Haken. Sein Beispiel: „… aber ich kann nicht tippen, ohne zu googeln.“
  • Das Projekt weitergeben: Zehn Spieleentwickler arbeiten nacheinander am selben Spiel, ohne miteinander zu reden.

Schreib jedes Format als Satz mit Lücke. Dann passt es auf jedes Thema.

Fürs Raster heißt das: Nimm fünf bis zehn Formate, die schon funktioniert haben, bei dir oder bei anderen. Wo du sie findest, zeigt Nachbar-Nischen.

Schritt 2: Sammle Themen

In die Zeilen schreibt CommonLuke Themen, über die er ein Video machen könnte. In seinem Raster stehen zum Beispiel Assembly, eine sehr maschinennahe Programmiersprache, und LeetCode, eine Plattform zum Üben für Bewerbungsgespräche als Programmierer.

Gute Themen kommen aus deiner Zielgruppe: Was fragt sie, was sucht sie, was beschäftigt sie gerade? Wie du das herausfindest, zeigt Zielgruppe finden.

Fürs Raster heißt das: Nimm fünf bis zehn Themen, die deine Zuschauer wirklich interessieren. Nicht die, die nur dich interessieren.

Schritt 3: Füll jedes Feld

Jetzt schreibst du für jedes Feld einen Titel. Auch für die Felder, die keinen Sinn ergeben. CommonLuke zeigt im Gespräch eines davon: „100 Tage LeetCode“ mit einem weiteren Format kombiniert. Er sagt selbst, das ergebe für dieses Thema keinen Sinn. Als Schreibübung sei es trotzdem nützlich.

Ein Beispiel: Ein Kanal zeigt YouTube-Anfängern, wie sie ihre Videos planen. Seine Formate: „24 Stunden ___“, „Ich habe 10 ___ getestet“, „Ohne Erfahrung: ___“. Seine Themen: Titel, Thumbnails, Intros. Daraus werden unter anderem:

  • 24 Stunden lang nur Titel geschrieben: Das habe ich gelernt
  • Ich habe 10 Thumbnails für dasselbe Video getestet
  • Ohne Erfahrung: Mein erstes Thumbnail, bewertet von einem Profi
  • Ich habe die Intros von 10 großen YouTubern nachgebaut
  • Ohne Erfahrung: Ich schreibe ein Intro nach Anleitung
Ein Raster, neun Titel. Ein Beispiel: Kanal für YouTube-Anfänger. Oben die Formate „24 Stunden ___“, „Ich habe 10 ___ getestet“ und „Ohne Erfahrung: ___“, links die Themen Titel, Thumbnails und Intros. In den Feldern: 24 Stunden nur Titel geschrieben, Ich habe 10 Titel-Tools getestet, Ohne Erfahrung: mein erster Titel, 24 Stunden Thumbnails (durchgestrichen, passt nicht), Ich habe 10 Thumbnails getestet (ausgewählt), Ohne Erfahrung: mein erstes Thumbnail, 24 Stunden nur Intros geübt, Intros von 10 großen YouTubern nachgebaut (ausgewählt), Ohne Erfahrung: ein Intro nach Anleitung.

Für einen Dating-Kanal könnte das so aussehen, ebenfalls als Beispiel:

  • Ich habe 10 Dating-Apps getestet
  • Ich zeige einer Paartherapeutin meine Dating-Profile
  • Erstes Date, aber ich darf nur Fragen stellen

Fürs Raster heißt das: Erst füllen, dann bewerten. Wer schon beim Schreiben aussortiert, schreibt nur das Naheliegende auf.

Schritt 4: Wähl aus

CommonLuke steckt die 40 Stunden erst in ein Video, wenn drei Dinge stehen: der Titel, mindestens eine Skizze des Thumbnails, also des Vorschaubilds, und ein Format, an das er glaubt. Den Titel schreibt er zuerst, das Thumbnail zuletzt.

Er denkt dabei vom Zuschauer aus. Er baut nicht einfach, was er will, und überlegt sich erst danach das Packaging. Er fragt zuerst, ob sich die Idee so in Titel und Thumbnail fassen lässt, dass jemand klickt. Mehr zum Zusammenspiel von Titel und Thumbnail findest du beim Erfolgsfaktor Packaging.

Prüf jeden markierten Titel mit drei Fragen:

  1. Würden meine Zuschauer klicken? Nicht du, sondern sie.
  2. Hat das Format schon bei anderen funktioniert? Wenn ja: bei welchem Publikum?
  3. Kann ich es umsetzen? Mit meiner Zeit, meinem Geld und meinem Können.

Fürs Raster heißt das: Aus 50 Titeln werden drei Kandidaten. Für jeden skizzierst du ein Thumbnail. Erst dann planst du das Video.

Drei typische Fehler

1. Nur eigene Formate. Wer nur seine eigenen Hits wiederholt, dreht sich im Kreis. CommonLuke holt sich Formate auch aus Nischen, die mit Programmieren nichts zu tun haben.

2. Zu früh aussortieren. Ein Feld, das albern klingt, bringt dich manchmal auf eine Idee, die gut ist. Schreib es trotzdem auf.

3. Formate ohne Beleg. „Ich habe 10 ___ getestet“ funktioniert, weil viele Kanäle damit Erfolg hatten. Ein Format, das du dir selbst ausgedacht hast, ist erst mal eine Vermutung. Wie du prüfst, ob ein Format bei anderen überdurchschnittlich gut lief, zeigt Ausreißer finden: die 3×-Regel.

Wo das Raster an Grenzen stößt

Das Raster sagt nicht voraus, was läuft. CommonLuke hätte sein Video „I tried to learn C“ fast nicht hochgeladen. Er fand es schlecht. Heute ist es sein zweiterfolgreichstes Video. Bog kennt das auch: Manche Videos, die er für schwach hielt, liefen sehr gut, andere floppten. Das Raster liefert Kandidaten. Was davon läuft, zeigt erst das fertige Video.

Ein Format passt nicht zu jedem Publikum. Ein Format, das bei Gamern funktioniert, muss bei Leuten, die Geld verdienen wollen, nicht funktionieren. Wichtig ist, ob die Zuschauer dasselbe wollen wie deine. Mehr dazu in Angrenzende Zielgruppen.

Formate geben die Form vor, nicht die Idee. Auch die Forscher um Goldenberg betonen: Ihre Muster legen das Ergebnis nicht fest. Sie lenken nur die Suche. Ein Titel aus dem Raster braucht trotzdem ein Thema, das deine Zuschauer wirklich bewegt.

Übung: dein erstes Raster

  1. Leg eine Tabelle an. Fünf Spalten, fünf Zeilen.
  2. Trag oben fünf Formate ein als Sätze mit Lücke. Mindestens zwei davon aus einer anderen Nische.
  3. Trag links fünf Themen ein, die deine Zuschauer gerade beschäftigen.
  4. Schreib in alle 25 Felder einen Titel. Stell dir einen Wecker auf eine Stunde.
  5. Markier drei Titel und prüf sie mit den drei Fragen aus Schritt 4.
  6. Wiederhol das jede Woche mit neuen Themen oder neuen Formaten.

Wer hier schreibt

Oliver Bayer

Oliver Bayer

Sammelt, was erfolgreiche Creator anders machen, und übersetzt es in einen Ablauf, den du für jedes Video nutzen kannst.

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