Paddy Galloway ist ein YouTube-Stratege aus Irland. Er hat mit Red Bull und MrBeast gearbeitet. Mit seinem Team betreut er fünf bis zehn Kanäle gleichzeitig. Für diese Kanäle denkt sich das Team die Videoideen aus.
Für jeden Kanal schreiben vier oder fünf Leute jeden Monat 200 bis 500 Ideen in eine Tabelle. Der Kunde sieht davon fünf. Galloway sagt: Wenn wir fünf Ideen wollen, müssen wir wahrscheinlich 500 finden.
Das Prinzip hat er von Apple übernommen. Wer dort ein großartiges Produkt bauen will, sammelt erst 100 Ideen für Produkte und Funktionen. Dann siebt er aus, bis die eine übrig bleibt, die wirklich etwas bewegt. Galloway nennt es „100-10-1“: 100 Ideen sammeln, die besten 10 behalten, eine drehen.
Wie streng er aussiebt, zeigt eine Szene, die er oft erlebt. Ein junges Teammitglied kommt zu ihm: „Paddy, ich bin so überzeugt von dieser Idee. Sie ist großartig.“ Galloway fragt: „Wie kriegen wir das in ein Thumbnail?“ Ein Thumbnail ist das Vorschaubild, das man vor dem Klick sieht. Gibt es darauf keine Antwort, fliegt die Idee raus.
Die meisten Creator machen es anders. Galloway beschreibt es sinngemäß so: Mir fällt eine Idee ein, also drehe ich sie. Dann ist die erste Idee auch die einzige. Ob es eine bessere gegeben hätte, erfährst du nie.
Dieser Artikel zeigt dir, wie du Videoideen findest, filterst, die besten ausarbeitest und die eine wählst. Er ist die Übersicht. Zu jedem Schritt gibt es einen eigenen Artikel, der tiefer geht.
Was Videoideen finden heißt
Videoideen finden heißt: Du sammelst viele mögliche Videos, prüfst sie mit festen Fragen und drehst nur das beste. Die Arbeit ist also nicht, die eine geniale Idee zu haben. Die Arbeit ist, unter vielen Ideen die richtige zu erkennen.
Bei den Erfolgsfaktoren steht die Idee an vierter Stelle. Davor kommen die Ziele, die Zielgruppe, die Recherche und die Positionierung. Danach kommt das Packaging, also Titel und Thumbnail.
Die Reihenfolge hat einen Grund. In der Content-Recherche sammelst du Material: Videos, die bei anderen Kanälen funktioniert haben, Formate aus anderen Nischen, Funde aus deinen Study-Playlists. Das sind noch keine Ideen für dein Video. Es ist der Vorrat, aus dem du sie baust. Dieser Artikel beginnt da, wo der Vorrat voll ist.
Drei Fragen gehören nicht hierher, weil andere Artikel sie klären:
- Passt die Idee zu deinem Kanal? Das klärt die Positionierung, zum Beispiel mit dem Ein-Wort-Filter.
- Welchen Job hat das Video? Ein Video, das neue Zuschauer bringen soll, braucht eine andere Idee als ein Video, das Vertrauen aufbaut. Das steht in Das Ziel deines Videos.
- Wie sehen Titel und Thumbnail genau aus? Das kommt nach der Idee, beim Hebel Packaging. Hier nutzt du Titel und Bild nur als Test: Lässt sich die Idee überhaupt so zeigen?
Der Weg in vier Stufen: So findest du Videoideen
- Erzeugen: Du schreibst viele Ideen auf, ohne zu urteilen.
- Filtern: Du prüfst jede Idee mit zwei Fragen. Ist sie interessant? Ist sie klar und groß genug? Von 100 Ideen bleiben etwa 10.
- Ausarbeiten: Für jede der 10 Ideen schreibst du eine Seite. Darauf stehen ein Satz, worum es geht, ein paar Titelideen und eine Skizze fürs Thumbnail. Das ist dein Videokonzept.
- Wählen: Du legst die Seiten nebeneinander. Du nimmst die Idee, auf die du am meisten setzt und für die es Belege gibt.
Erst ausarbeiten, dann wählen: So macht es Galloway. Fertige Seiten lassen sich besser vergleichen als lose Gedanken.
Galloways Zahlen gelten für ein Team, das hauptberuflich Ideen sucht. Allein musst du keine 500 Ideen schreiben. Für den Anfang reichen 20 bis 30 pro Runde. Wichtig ist nicht die genaue Zahl. Wichtig ist, dass du mehr Ideen hast, als du drehen kannst. Nur dann kannst du überhaupt aussortieren.
Der Podcast, in dem Galloway sein System erklärt, verschenkt eine Zusammenfassung. Darin steht: Du brauchst keine besseren Ideen. Du brauchst ein System, das 500 Ideen erzeugt und dich 495 wegwerfen lässt. Der Satz stammt von den Machern des Podcasts, nicht von Galloway.
Ein Beispiel begleitet dich durch die fünf Abschnitte. Es ist ausgedacht: Ein Dating-Kanal will sein nächstes Video planen. In der Recherche hat die Creatorin 15 Funde gesammelt. Daraus sollen Ideen werden.
1. Ideen erzeugen
Was: Du machst aus deinem Vorrat so viele Ideen wie möglich. Ein Fund kann mehrere Ideen ergeben. In dieser Stufe urteilst du nicht. Auch schwache Ideen kommen auf die Liste.
Warum: Wer beim Aufschreiben schon aussortiert, schreibt nur die Ideen auf, die ihm sofort gefallen. Das sind oft die naheliegenden. Die ungewöhnlichen fallen weg, bevor du sie geprüft hast.
Für meinen Dating-Kanal kamen die Ideen aus vielen Quellen: aus meinen eigenen Videos, die gut liefen, aus dem englischsprachigen Markt, aus viralen Videos, aus anderen Nischen, aus Kommentaren und aus einem Log über meine Zielgruppe.
Ein Beispiel (ausgedacht): Die Creatorin schreibt zu jedem ihrer 15 Funde zwei Ideen. Dazu kommen fünf Ideen aus Kommentaren. Am Ende stehen 35 Ideen auf der Liste.
Fürs Video heißt das: Setz dich mit deinem Vorrat hin und schreib zu jedem Fund mehrere Ideen. Eine feste Methode hilft: Im Format-Themen-Raster kreuzt du Formate mit Themen und schreibst in jedes Feld einen Titel.
→ Mehr dazu: So kommst du auf 100 Ideen, mit den Detail-Artikeln Ideen-Schablonen, Brainstorming und Ideen kombinieren.
2. Ist die Idee interessant?
Was: Das ist die erste Frage beim Filtern. Interessant heißt hier zweierlei. Die Idee bringt etwas, das der Zuschauer noch nicht weiß oder nicht erwartet. Und sie hat mit seinem Leben zu tun.
Warum: Eine Idee kann richtig und nützlich sein und trotzdem niemanden zum Klicken bringen. Wer ein Video sieht, das er so ähnlich schon zehnmal gesehen hat, scrollt weiter. Und wen ein Thema nicht betrifft, der klickt auch bei einem überraschenden Titel nicht.
Für diese Frage gibt es drei Prüfungen. Jede hat einen eigenen Artikel:
- Nachrichtenwert: Den Begriff nutzen Journalisten. Er beschreibt, was eine Meldung zur Nachricht macht. Der Unternehmer Alex Hormozi überträgt sieben solcher Faktoren auf Geschichten und Werbung, zum Beispiel Aktualität, Nähe und Konflikt. Je mehr davon in einer Idee steckt, desto interessanter ist sie. → Nachrichtenwert
- Weitererzählen: Würde jemand das Video einer Freundin schicken? → Warum Menschen Videos teilen
- Stakes: Das englische Wort heißt „Einsätze“. Gemeint ist: In der Idee steht viel auf dem Spiel, der Druck ist hoch. Deshalb will der Zuschauer wissen, wie es ausgeht. → Stakes
Auf meinem Dating-Kanal brachten zwei Arten von Videos die meisten Zuschauer. Videos, die Symptome ansprachen: Viele kennen die Symptome, aber nicht den Grund dafür. Und Videos, die eine Angst weckten.
Ein Beispiel (ausgedacht): Die Creatorin streicht „5 Tipps fürs erste Date“. Das Thema betrifft ihre Zuschauer zwar. Aber es bringt nichts, was sie nicht schon kennen. Von 35 Ideen bleiben 14.
Fürs Video heißt das: Lies jede Idee und stell dir einen typischen Zuschauer vor. Streich jede Idee, bei der er denkt: Weiß ich schon. Oder: Betrifft mich nicht.
→ Mehr dazu: Ist die Idee interessant?
3. Ist die Idee klar und groß genug?
Was: Das ist die zweite Frage. Klar heißt: Man versteht die Idee auf einen Blick. Groß genug heißt: Sie interessiert genug Menschen, und sie trägt ein ganzes Video.
Warum: Im Feed entscheiden Menschen in einem Augenblick, ob sie klicken. Eine Idee, die sich nicht in ein Bild und einen Satz packen lässt, versteht im Vorbeiscrollen niemand. Deshalb fragt Galloway nach dem Thumbnail, bevor es das Video gibt. Auf meinem Dating-Kanal sind komplexe Ideen meist gescheitert. Schon der Hook kam dann schlecht rüber, also die ersten Sekunden, die zum Weiterschauen bringen sollen.
Groß genug hat zwei Seiten. Die Idee legt fest, wie viele Menschen sich überhaupt für das Video interessieren können. Ein besserer Schnitt hebt diese Grenze nicht. Und die Idee legt fest, wie lang das Video sein kann, ohne dass du es streckst.
Galloway schreibt diese Prüfungen als feste Liste mit vier oder fünf Punkten auf. Auf deine Liste gehören auch der Ein-Wort-Filter und die 80-Prozent-Regel aus Das Ziel deines Videos: Würden 80 Prozent deiner bisherigen Zuschauer das Video sehen wollen?
Ein Beispiel (ausgedacht): Auf der Liste der Creatorin steht „Wie dein Bindungsstil aus der Kindheit beeinflusst, wen du auf Dating-Apps nach rechts wischst“. Das ist interessant. Aber es braucht drei Sätze, und es gibt kein Bild dafür. Sie streicht die Idee. Am Ende bleiben 4 von 35.
Fürs Video heißt das: Schreib zu jeder Idee einen Satz und beschreib in Worten ein Bild dazu. Klappt eins von beiden nicht, fliegt die Idee raus.
→ Mehr dazu: Ist die Idee klar und groß genug?, mit den Detail-Artikeln Der Ein-Sekunden-Test, Wie groß kann deine Idee werden? und Wie lang sollte dein Video sein?
4. Die besten Ideen ausarbeiten
Was: Für jede Idee, die beide Filter überstanden hat, schreibst du eine Seite. Darauf stehen ein Satz, der sagt, worum es im Video geht. Ein paar Titelideen. Eine grobe Skizze fürs Thumbnail. Und ein grobes Gerüst: Was passiert am Anfang, in der Mitte, am Ende? Diese Seite ist dein Videokonzept.
Den Satz nennt man Logline. Der Begriff kommt aus Hollywood. Drehbuchautoren beschreiben damit ihren Film in einem einzigen Satz.
Warum: Galloway macht so eine Seite für jede der zehn Ideen, die seine Filter überstehen. Erst danach wählt sein Team. Die Seite zeigt außerdem Lücken früh. Fällt dir kein Titel ein, ist die Idee noch unklar. Das merkst du besser jetzt als nach drei Drehtagen.
Ein Beispiel (ausgedacht): Die Creatorin schreibt vier Seiten, eine für jede übrige Idee. Eine davon sieht so aus:
- Logline: Eine Frau merkt nach Monaten, dass ihr Date sich nie festlegen wollte. Das Video zeigt, woran sie es schon beim ersten Treffen hätte sehen können.
- Titelideen: „Er will sich nicht festlegen? Das merkst du schon beim ersten Date“ · „3 Sätze, mit denen Männer sagen: Ich will nichts Festes“ · „Ich habe mein erstes Date analysiert. Die Warnzeichen waren alle da“
- Thumbnail-Skizze: eine Frau am Tisch, ein Handy mit der Nachricht „Lass uns locker bleiben“, ein roter Kreis um das Wort „locker“.
Fürs Video heißt das: Halte jede Seite kurz. Sie ist kein Skript. Sie soll nur zeigen, ob die Idee trägt, und den Vergleich möglich machen.
→ Mehr dazu: Die besten Ideen ausarbeiten: das Videokonzept, mit den Detail-Artikeln Die Logline und Neuer Kanal: 100 Ideen vor dem ersten Video.
5. Die eine Idee wählen
Was: Du legst die Seiten nebeneinander und nimmst die Idee, auf die du am meisten setzt. Überzeugung allein reicht dafür nicht. Es muss auch Belege geben, dass Videos dieser Art schon erfolgreich waren.
Warum: Die Filter sortieren aus, was nicht funktionieren kann. Welche der übrigen Ideen am besten läuft, sagen sie dir nicht. Das entscheidest du. Bei Galloway ist dieser letzte Schritt ausdrücklich subjektiv. Das Team setzt sich zusammen, und jeder sagt, welche Idee ihn am meisten begeistert.
Begeisterung kann aber auch Wunschdenken sein. Deshalb fragst du zusätzlich: Gab es zu diesem Thema schon Videos mit vielen Views? Solche Belege findest du in der Recherche, zum Beispiel mit Ausreißern.
Ich habe über 1.000 Videos produziert. Dabei habe ich auf zwei Dinge gesetzt. Erstens Belege: Ich habe geprüft, ob es zu einem Thema schon einmal viele Views gab. Zweitens Masse: Ich habe viel produziert, um meine Chancen insgesamt zu erhöhen. Beides zählt. Mein Ziel waren 10 Millionen Views im Monat. Für Anfänger ist das viel zu hoch. Es setzt voraus, dass du die Psychologie hinter viralem Content verstehst.
Auch mit Belegen kann eine Idee floppen. Manche Creator sagen sogar: Keiner kann seine eigenen Hits vorhersagen. Ein Grund liegt bei YouTube selbst. Passen die ersten Zuschauer, denen YouTube ein neues Video zeigt, nicht zur Zielgruppe, kann auch eine gute Idee untergehen. Wie das passiert, steht in Warum gute Videos floppen.
Ein Beispiel (ausgedacht): Die Creatorin legt ihre vier Seiten nebeneinander. Auf „Er will sich nicht festlegen? Das merkst du schon beim ersten Date“ würde sie sofort wetten. In ihrer Recherche hat sie mehrere Videos zu diesem Thema gefunden, die viel mehr Views hatten als sonst auf ihren Kanälen. Sie wählt diese Idee. Die anderen drei Seiten bleiben für später.
Fürs Video heißt das: Schreib vor dem Dreh auf, was du von dem Video erwartest, und notier die Belege dazu. Das ist deine Wette. Nach dem Upload siehst du, ob du richtig lagst. Wie du die Wette aufschreibst, steht in Das Ziel deines Videos.
→ Mehr dazu: Die eine Idee wählen: Überzeugung und Belege, mit den Detail-Artikeln Ideen bewerten, ohne dich selbst zu täuschen und Warum gute Videos floppen: So testet YouTube ein neues Video.
Grenzen
Die Zahlen kommen aus einer Agentur. 500 Ideen im Monat schreiben vier oder fünf Leute, die dafür bezahlt werden. Galloway verdient sein Geld damit, Kanäle zu beraten und Creator auszubilden. Die Zusammenfassung mit dem 495-Satz ist ein Werbegeschenk des Podcasts. Das spricht nicht gegen die Methode. Aber die Zahlen sind Galloways eigene Angaben. Geprüft hat sie niemand.
Der Prozess garantiert keinen Hit. Galloway schätzt vor jedem Upload, wie gut ein Video im Vergleich zu den letzten laufen wird. Er sagt selbst: Wir liegen damit ständig daneben. Es ist keine exakte Wissenschaft.
Viele Ideen allein reichen nicht. Es gibt Forscher, die sagen: Ideen werden besser, wenn man sie nach festen Mustern baut, statt frei draufloszudenken. Ob Menge oder Muster wichtiger ist, steht in So kommst du auf 100 Ideen.
Übung: Von 30 Ideen zu einer
- Nimm deinen Vorrat. Das sind deine Funde aus der Recherche. Hast du noch keinen, fang mit der Content-Recherche an.
- Schreib 30 Ideen auf. Stell dir einen Wecker auf 30 Minuten. Urteile nicht. Auch schwache Ideen kommen auf die Liste.
- Erster Filter: Streich jede Idee, bei der dein Zuschauer denkt: Weiß ich schon. Oder: Betrifft mich nicht.
- Zweiter Filter: Streich jede Idee, die du nicht in einem Satz und einem Bild beschreiben kannst. Prüf auch: Passt sie zu deinem Kanal und zu deinen bisherigen Zuschauern?
- Zähl nach. Etwa drei Ideen sollten übrig sein. Das entspricht Galloways Verhältnis von 100 zu 10.
- Arbeite sie aus. Schreib für jede eine Seite: ein Satz, drei Titelideen, eine Skizze fürs Thumbnail.
- Wähl eine. Nimm die Idee, auf die du am meisten setzt. Such Belege: Gab es zu dem Thema schon Videos mit vielen Views? Schreib deine Wette auf.
Danach kommt der nächste Hebel: das Packaging. Dort machst du aus deiner Seite den Titel und das Thumbnail, die Menschen zum Klicken bringen.