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Idee · 14.10.2026 · Oliver Bayer

Videoidee prüfen: So siebst du aus 100 Ideen die 10 besten heraus

100 Ideen laufen durch eine Liste mit fünf Fragen (Bild und Titel, machbar, passt zum Kanal, Views-Ziel, auch für Neue). 10 Ideen bleiben übrig.

Teil von Videoideen finden · Teil 3 von 5

Du hast eine Liste mit 100 Ideen. Welche drehst du?

Die meisten Creator entscheiden nach Gefühl. Die Idee, die sich heute am besten anfühlt, gewinnt. Paddy Galloway macht es anders. Galloway ist YouTube-Stratege, unter anderem für MrBeast und Red Bull. Sein Team sammelt für jeden Kunden jeden Monat Hunderte Ideen. Wie das abläuft, steht in der Übersicht Videoideen finden.

Zwischen den vielen Ideen und den wenigen Videos liegt bei Galloway eine Liste. Er nennt sie Ausschlusskriterien, auf Englisch „elimination criteria“. Und er empfiehlt sie jedem Kanal: vier oder fünf Punkte, die jede Idee erfüllen muss. Fehlt einer, wird das Video nicht gemacht.

Eine Videoidee prüfen heißt also: Du hältst jede Idee an dieselben vier oder fünf Fragen. Und zwar bevor du Zeit in Skript und Dreh steckst. Hier lernst du die Fragen, wie streng deine Liste sein muss und in welcher Reihenfolge du prüfst.

Warum die Liste aufgeschrieben sein muss

Im Kopf ändert sich eine Liste jeden Tag. Heute ist dir wichtig, dass ein Video schnell gedreht ist. Morgen willst du etwas Großes machen. Dann gewinnt jedes Mal eine andere Idee, und du weißt nicht, warum.

Galloway formuliert seine Punkte deshalb als feste Bedingungen: Das braucht ein Video auf unserem Kanal. Hat es das nicht, machen wir es nicht.

Für seinen eigenen Kanal hatte er eine besonders einfache Bedingung. Sein Ziel war eine Million Views pro Video. Er machte damals Videos darüber, wie bestimmte YouTuber gewachsen sind. Also machte er keine Videos über YouTuber, die selbst im Schnitt unter einer Million Views lagen. Seine Begründung: Wenn nicht einmal der YouTuber selbst so viele Zuschauer erreicht, schafft es ein Video über ihn vermutlich auch nicht.

Eine schriftliche Liste hat noch einen Vorteil. Du kannst sie verbessern. Läuft ein Video schlecht, schaust du nach: Welche Frage hätte es aufhalten müssen? Dann schärfst du genau diese Frage.

Videoideen prüfen: die fünf Fragen

Fünf Punkte tauchen bei Galloway immer wieder auf. Drei nennt er im Podcast als Beispiele, zwei ergänzt das Begleitheft zu seinem Auftritt. Deine Liste darf anders aussehen. Diese fünf sind ein guter Anfang.

1. Passt die Idee in ein Bild und einen Titel? Galloway fragt: Können wir daraus einen guten Titel und ein gutes Thumbnail machen? Das Thumbnail ist das Vorschaubild eines Videos. Lässt sich die Idee nicht in einem Bild zeigen, versteht sie auch kein Zuschauer, der durch seine Startseite scrollt. Ein Beispiel: „Was Bindungsangst mit deiner Kindheit zu tun hat“ ist schwer zu zeigen. „Er liest deine Nachricht und antwortet nicht“ passt in ein Bild: ein Handy mit zwei blauen Haken. Bei meinem Dating-Kanal sind komplexe Ideen in der Regel gescheitert.

→ Mehr dazu: Der Ein-Sekunden-Test: Passt deine Idee in ein Bild?

2. Kannst du sie umsetzen? Galloways Beispiel stammt aus der Arbeit für Red Bull. Sein Team hatte eine Idee, bei der ein Auto auf den Mond sollte. Galloways Antwort sinngemäß: Toll, aber ich glaube nicht, dass das geht. Für dich heißt Machbarkeit: Hast du die Zeit, das Geld, den Drehort, die Menschen? Und trägt die Idee die Länge, die dein Video haben soll?

→ Mehr dazu: Wie lang sollte dein Video sein?

3. Passt sie zu deinem Kanal? Würden die meisten Zuschauer deines letzten Videos auch dieses Video schauen wollen? Galloway prüft das mit seiner 80-Prozent-Regel. Sie steht ausführlich im Artikel Das Ziel deines Videos. Eine zweite Prüfung ist dein Wort: Passt die Idee zu dem, wofür dein Kanal steht? Wie das geht, zeigt Der Ein-Wort-Filter.

4. Schafft sie dein Views-Ziel? Galloway erklärt das am Podcast seines Gastgebers. Der Podcast holt im Schnitt 100.000 Views pro Folge. Ein Ziel wären 150.000 bis 200.000. Kommt ein Gast, der vermutlich nur 20.000 bis 30.000 Views bringt, sollte die Folge nicht stattfinden. Galloway sagt selbst: Das klingt hart und streng.

Woher weißt du, wie viele Views eine Idee bringen kann? Du schaust, wie ähnliche Videos bei anderen Kanälen gelaufen sind. Wie du das richtig vergleichst, steht in Ausreißer finden. Galloway schränkt die Regel selbst ein: Sie gilt, wenn dein Ziel Wachstum ist. Soll ein Video vor allem Vertrauen aufbauen, darf es kleiner sein. Mehr dazu in Das Ziel deines Videos.

Hat ein Thema dein Views-Ziel schon einmal geschafft, bei dir oder bei anderen, ist das ein Beleg, kein Bauchgefühl.

Genau so habe ich bei meinem Dating-Kanal gefiltert. Ich habe bei jedem Thema geprüft: Gab es dazu schon einmal viele Views? Mein Ziel waren 10 Millionen Views pro Monat. Das setzt voraus, dass du die Psychologie hinter viralem Content verstehst. Für den Anfang ist so ein Ziel viel zu hoch. Leite deins aus deinen eigenen Zahlen ab. Nimm den Schnitt deiner letzten zehn Videos und setz das Ziel etwas darüber, so wie im Podcast-Beispiel oben.

5. Erreicht sie auch Menschen, die dich noch nicht kennen? Galloway teilt Zuschauer in drei Gruppen: Stammzuschauer, die fast alles schauen. Gelegenheitszuschauer, die ab und zu reinschauen. Und Neue, die dich noch nicht kennen. Die besten Videos funktionieren für alle drei. Eine Idee, die nur deine Stammzuschauer verstehen, hat eine niedrige Decke.

→ Mehr dazu: Wie groß kann deine Idee werden?

Eine Frage fehlt hier bewusst: Ist die Idee überhaupt interessant? Die bekommt einen eigenen Artikel: Ist die Idee interessant?

Eiche die Liste an der Ausbeute

Eine Liste kann zu locker oder zu streng sein. Galloway gibt dafür einen einfachen Maßstab. Schick 100 Ideen durch deine Liste. Bleiben 30 übrig, taugt die Liste nichts. Sie ist zu leicht zu bestehen. Bleiben nur ein oder zwei übrig, ist sie zu streng.

Die Ausbeute ist also dein Messgerät. Du prüfst nicht nur die Ideen mit der Liste. Du prüfst auch die Liste mit den Ideen. Ein guter Zielwert sind rund zehn von 100. Das passt zu Galloways Ablauf: aus 100 Ideen werden zehn, aus zehn wird eine.

Drei Listen prüfen je 100 Ideen. Bleiben 30 übrig, ist die Liste zu locker. Bleiben 10, ist sie richtig. Bleibt 1, ist sie zu streng.

Ein Beispiel: Eine Online-Sprachschule verkauft Englisch-Coaching für Berufstätige. Bisher hat sie nur Anzeigen geschaltet. Jetzt will sie auf YouTube starten. Das Team sammelt 100 Ideen und prüft sie mit vier Fragen: Bild, Machbarkeit, Kanal, Views-Ziel. Es bleiben 31 übrig.

Zu locker. Das Team schaut nach, woran das liegt. Beim Views-Ziel hat es jede Idee durchgewunken, zu der es irgendein ähnliches Video gab. Neue Regel: Es muss ein ähnliches Video geben, das bei einem Kanal vergleichbarer Größe mindestens doppelt so gut lief wie dessen Schnitt. Zweiter Durchgang: neun Ideen. „Die 5 häufigsten Fehler beim Present Perfect“ ist rausgeflogen. „Ich habe eine Woche lang nur auf Englisch telefoniert“ ist noch drin.

Neun von 100 heißt nicht, dass 91 Ideen schlecht waren. Viele waren nur nicht gut genug für dieses Ziel. Heb die anderen auf. Wenn sich dein Kanal verändert, passt vielleicht eine davon.

Der billigste Filter zuerst

Nicht jede Frage kostet gleich viel Zeit. Ob eine Idee in ein Bild passt, siehst du in Sekunden. Ob sie dein Views-Ziel schafft, weißt du erst nach einer Recherche: ähnliche Videos suchen, ihre Kanäle vergleichen, rechnen.

Deshalb lohnt sich eine Reihenfolge. Galloway sagt das nicht ausdrücklich. Aber eine seiner Zahlen spricht dafür: Er schätzt, dass schon die Frage nach Titel und Thumbnail rund zwei Drittel aller Ideen aussortiert.

Ein Rechenbeispiel: Du brauchst für die Recherche zum Views-Ziel fünf Minuten pro Idee. Bei 100 Ideen sind das über acht Stunden. Prüfst du vorher das Bild, bleiben ungefähr 33 Ideen übrig. Dann sind es keine drei Stunden mehr.

Rechenbeispiel: Die Frage nach Bild und Titel kostet Sekunden pro Idee und lässt von 100 rund 33 übrig. Erst dann kommt das Views-Ziel mit 5 Minuten Recherche pro Idee, am Ende bleiben 10. Die Recherche dauert so knapp 3 statt über 8 Stunden.

Eine sinnvolle Reihenfolge:

  1. Bild und Titel: ein paar Sekunden pro Idee.
  2. Passt zum Kanal: ein paar Sekunden, wenn du dein Wort kennst.
  3. Machbarkeit: meist eine Minute Nachdenken, manchmal ein Anruf.
  4. Stammzuschauer, Gelegenheitszuschauer, Neue: eine Minute.
  5. Views-Ziel: die Recherche, nur noch für den Rest.

Was die Liste nicht kann

Sie wählt nicht die eine Idee. Am Ende bleiben rund zehn Ideen, die alle Fragen bestehen. Die besten davon arbeitest du erst ein bisschen aus: Das Videokonzept. Danach wählst du die eine: Die beste Idee wählen.

Sie sagt nicht, ob die Idee interessant ist. Eine Idee kann in ein Bild passen, machbar sein und zum Kanal passen. Und trotzdem langweilen. Dafür gibt es eigene Filter: Ist die Idee interessant?

Sie stammt aus einer Agentur. Galloways Punkte kommen aus seiner Arbeit mit großen Kanälen und mehreren Leuten pro Kunde. Er verkauft Beratung und ein Trainingsprogramm. Das Gespräch, in dem er die Liste erklärt, wirbt für ein kostenloses PDF dazu. Die Liste ist deshalb kein Beweis, sondern ein erprobter Vorschlag. Prüf an deinen eigenen Videos, welche Fragen bei dir wirklich etwas aussortieren.

Übung: deine Filterliste in 30 Minuten

  1. Schreib fünf Fragen auf. Nimm Galloways fünf als Vorlage. Streich eine, die für deinen Kanal nicht passt. Ergänze eine, die dir wichtig ist.
  2. Formulier jede Frage so, dass sie mit Ja oder Nein endet. „Ist die Idee gut?“ geht nicht. „Gibt es ein ähnliches Video, das doppelt so gut lief wie sein Kanal?“ geht.
  3. Bring die Fragen in eine Reihenfolge. Die schnellste zuerst, die mit Recherche zuletzt.
  4. Schick deine Ideen durch. Mindestens 30, besser 100. Notier bei jeder Idee, an welcher Frage sie hängen geblieben ist.
  5. Zähl die Ausbeute. Bleibt fast ein Drittel übrig, mach eine Frage strenger. Bleiben nur ein oder zwei, lockere eine.

Am Ende hast du eine Liste, die du jeden Monat wieder benutzt. Und rund zehn Ideen, aus denen du eine wählst.

Wer hier schreibt

Oliver Bayer

Oliver Bayer

Sammelt, was erfolgreiche Creator anders machen, und übersetzt es in einen Ablauf, den du für jedes Video nutzen kannst.

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