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Idee · 14.10.2026 · Oliver Bayer

Ideenfindung für YouTube: So kommst du auf 100 Videoideen

Ein Blatt mit 100 Ideen, von beiden Seiten führen Pfeile aus verschiedenen Quellen hinein

Teil von Videoideen finden · Teil 1 von 5

Jenny Hoyos hat in einem Google-Dokument 1.000 Videoideen. Hoyos macht kurze Videos auf YouTube, ihr Kanal hat rund 8 Millionen Abonnenten. Im Gespräch mit dem Podcaster Jay Clouse rechnet sie vor, wie aus vielen Ideen wenige werden. Der Einfachheit halber mit 100.

Von 100 Ideen behält sie 25 bis 50. Dann kürzt sie auf 25. Die schickt sie ihrem Cutter, der auch an der Strategie des Kanals mitarbeitet. Er macht daraus 10. Neun von zehn Ideen dreht sie also nie.

Ideenfindung ist der Schritt vor diesem Aussortieren. Du sammelst so viele Ideen, dass sich das Wegwerfen lohnt. Hier erfährst du, woher die 100 Ideen kommen, wie du sammelst, ohne dich selbst auszubremsen, und warum Menge allein nicht reicht.

Warum 100 Ideen?

Paddy Galloway ist einer der bekanntesten YouTube-Strategen. Er hat unter anderem für MrBeast und Red Bull gearbeitet. Seine Regel: Wenn du eine großartige Idee willst, fang mit 100 Ideen an. Wie aus 100 Ideen zehn und aus zehn das eine Video wird, zeigt die Übersicht Videoideen finden.

Der Grund ist einfach: Du weißt vorher nicht, welche Idee trägt. Wer nur drei Ideen hat, muss eine davon drehen, auch wenn keine gut ist. Wer 100 hat, kann wählen.

Allein musst du die 100 nicht an einem Nachmittag schaffen. 20 bis 30 Ideen pro Runde reichen. Über eine Woche wächst daraus ein Vorrat, aus dem du wählen kannst.

Auf meinem Dating-Kanal habe ich über 1.000 Videos veröffentlicht. Ich habe Ideen geprüft, aber auch die Menge hat meine Chancen erhöht. Wie beides zusammengeht, zeigt Videoideen finden.

Woher die Ideen kommen: meine sechs Quellen

100 Ideen kommen nicht aus einem einzigen Einfall. Sie kommen aus mehreren Quellen. Bei meinem Dating-Kanal waren es sechs:

Sechs Quellen führen in eine Ideen-Liste: eigene Treffer, virale Videos, englischsprachige Kanäle, andere Nischen, Kommentare, Zielgruppen-Log
  1. Meine eigenen Videos. Ich habe geschaut, welche Videos gut funktioniert haben. Daraus habe ich neue gemacht. → Kopier dich selbst zuerst
  2. Virale YouTube-Videos. Ich habe gezielt Videos gesucht, die viel besser liefen als der Rest ihres Kanals. → Ausreißer finden
  3. Der englischsprachige Markt. Ich habe auch englischsprachige Dating-Kanäle angeschaut. Dort gibt es zu fast jedem Thema mehr Videos als auf Deutsch, also auch mehr Treffer, von denen du lernen kannst. Eine wörtliche Übersetzung reicht aber nicht immer. → Untersuch auch die Flops
  4. Andere Nischen. Ich habe Kanäle mit ganz anderen Themen angeschaut und gefragt: Was kann ich von ihnen lernen? → Nachbar-Nischen und Inspiration finden
  5. Die Kommentare. Zuschauer schrieben ihr eigenes Problem und ihre Sicht in die Kommentare. Unter viralen Videos war das riesiger Stoff für neue Videos. → Zielgruppe recherchieren
  6. Ein Zielgruppen-Log. Ich habe eine Mindmap über meine Zuschauerinnen geführt. Darin standen ihre Probleme, ihre Denkfehler und vieles mehr. Auch daraus kamen Ideen. → Zielgruppen-Persona erstellen

Die meisten dieser Quellen gehören zur Recherche. Wie du sie anzapfst, steht in den verlinkten Artikeln. Für die Ideenfindung zählt: Jede Quelle bringt andere Ideen auf deine Liste.

Im Podcast mit Galloway fällt dazu eine Reihenfolge, der er ausdrücklich zustimmt: Hast du noch keine Videos, fang bei den Treffern anderer an. Hast du ein paar, kommen deine eigenen dazu. Ganz Neues probierst du erst, wenn dein Kanal läuft. Meist entsteht es, wenn du zwei bekannte Dinge verbindest. → Ideen kombinieren

Die siebte Quelle: dein Alltag

Hoyos nennt drei Quellen. Sie schaut YouTube und überlegt, welches Video sie mit einem eigenen Dreh nachmachen würde. Sie fragt eine KI. Ihre besten Ideen aber kommen nach eigener Aussage aus ihrem Leben.

Ein Beispiel: Ihre Oma bekam einmal kostenloses Waschmittel zugeschickt. Hoyos fragte, wie sie das geschafft hat. Die Oma hatte beim Hersteller angerufen, sich beschwert und gesagt, die Firma sei schlecht. Daraufhin schickte die Firma ihr Waschmittel. Hoyos dachte sofort: Das muss ich als Video machen.

Der Alltag liefert jeden Tag solche Momente. Sie werden nur zu Ideen, wenn du sie bemerkst und aufschreibst. Wie du dein Gehirn dafür fütterst, zeigt Die Informations-Diät.

Alles kann ein Video werden

Jimmy Donaldson, bekannt als MrBeast, betreibt den größten YouTube-Kanal der Welt. Für sein Team hat er ein internes Handbuch geschrieben. Darin steht: Gutes Video-Material ist grenzenlos. Buchstäblich alles kann ein gutes Video werden.

Sein Beispiel ist eine Babypuppe. Fünf Leute werfen sie mit der schwachen Hand, wer kommt am weitesten? Oder: 1.000 Babypuppen, und jemand versucht, eine davon in ein Kinderbett 60 Meter entfernt zu werfen. Oder: Wie viele Babypuppen braucht es, um ein Brett zu zerbrechen? Ein einziger Gegenstand, drei Videos.

MrBeast schränkt sofort ein: Das hier ist YouTube, es gibt Regeln. Vor allem muss die Idee einfach sein. Wie du prüfst, ob deine Idee einfach genug ist, zeigt Der Ein-Sekunden-Test.

Schau dir die drei Puppen-Ideen genauer an. Zwei davon folgen einem Muster. Einmal werden aus einer Puppe 1.000. Einmal wird gezählt, wie viele es braucht, bis etwas passiert. Solche Muster lassen sich auf jedes Thema übertragen.

Ein Beispiel: Ein Dating-Kanal nimmt als Gegenstand die erste Nachricht auf einer Dating-App. Mit dem ersten Muster wird daraus: „Ich habe 100 Männern dieselbe erste Nachricht geschickt. So viele haben geantwortet.“ Mit dem zweiten: „Wie viele Dates braucht es, bis du weißt, ob er es ernst meint?“

Menge oder Muster? Der Streit um gute Ideen

Wie kommt man auf gute Ideen? Darüber gibt es zwei Lager.

Das erste Lager sagt: Menge. Alex Osborn war stellvertretender Chef der Werbeagentur BBDO und hat das Brainstorming bekannt gemacht. Eine seiner Regeln: Je mehr Ideen, desto größer die Chance auf Treffer. Und: Beim Sammeln wird nicht kritisiert. Galloway und Hoyos arbeiten im Kern genauso. Sie sammeln viel und sortieren hinterher hart aus.

Das zweite Lager sagt: Muster. Drei Forscher der Hebräischen Universität Jerusalem untersuchten 1999 preisgekrönte Anzeigen. Ihr Ausgangspunkt: Viele Werbeagenturen setzen auf Menge. Sie nehmen an, dass sich die vielen Ideen am Ende lohnen. Die Forscher fanden etwas anderes. Fast neun von zehn der besten Anzeigen folgten einer von sechs Schablonen. Und in einem Versuch erfanden Laien, die diese Schablonen gelernt hatten, deutlich bessere Anzeigen. Wer nur gelernt hatte, frei drauflos zu denken, schnitt nicht klar besser ab als jemand ganz ohne Training.

Der Streit ist kleiner, als er aussieht. Auch Galloway arbeitet mit Mustern. Er setzt sie nur später ein, als Filter beim Aussortieren: Lässt sich die Idee in ein Thumbnail packen, also ins Vorschaubild des Videos? Ist sie machbar? Die Forscher setzen ihre Muster vorher ein, schon beim Erfinden.

Fürs Video heißt das: Sammle viel, aber nicht blind. Gib deiner Suche eine Richtung. Drei Werkzeuge helfen dabei:

  • Schablonen geben jeder Idee eine bewährte Form. → Ideen-Schablonen
  • Brainstorming-Regeln sorgen dafür, dass du beim Sammeln nicht zu früh urteilst. → Brainstorming
  • Kombinieren verbindet zwei bekannte Dinge zu etwas Neuem. → Ideen kombinieren

Ideenfindung in der Praxis: So füllst du die Liste

1. Eine Liste, ein Ort. Hoyos nutzt ein Google-Dokument. Wichtig ist nur, dass alle Ideen an derselben Stelle landen. Wie du die Liste so führst, dass nichts verloren geht, steht in Außerhalb jeder Nische.

2. Schreib Ideen als Satz, nicht als Stichwort. „Erste Nachricht“ ist ein Thema. „Ich habe 100 Männern dieselbe erste Nachricht geschickt“ ist eine Idee. Aus einem Thema kann alles werden. Eine Idee kannst du später prüfen.

3. Sammeln und Bewerten trennen. Beim Sammeln streichst du nichts. Auch keine Idee, die dir peinlich ist. Bewertet wird frühestens am nächsten Tag. Wie du dann aussiebst, zeigen Ist die Idee interessant? und Ist die Idee klar und groß genug?

4. Zapf jede Quelle an. Nicht nur die drei großen Kanäle deiner Nische. Geh die sechs Quellen oben der Reihe nach durch, dazu deinen Alltag.

Bevor du aussortierst, prüf eine Frage: Passt die Idee überhaupt zu deinem Kanal? Das klärt Der Ein-Wort-Filter.

Drei typische Fehler

1. Du bewertest beim Sammeln. Jede Idee, die du sofort prüfst, bremst die nächste. Nach zehn Minuten hast du drei Ideen und alle sind vorsichtig.

2. Du sammelst nur aus einer Quelle. Wer nur die großen Kanäle seiner Nische schaut, hat dieselben Ideen wie alle anderen dort.

3. Du schreibst Themen statt Ideen auf. Eine Liste mit „erstes Date“, „Trennung“, „Dating-Apps“ sieht voll aus. Aber keine Zeile sagt, was im Video passiert.

Übung: 100 Ideen in einer Woche

  1. Leg ein Dokument an. Eine Spalte für die Idee als Satz, eine für die Quelle.
  2. Plan jeden Tag 30 Minuten. Jeder Tag hat eine andere Quelle: eigene Treffer, virale Videos, englischsprachige Kanäle, andere Nischen, Kommentare, dein Zielgruppen-Log, Schablonen.
  3. Schreib alles auf, ohne zu streichen. Auch wilde Ideen. Abschwächen kannst du später.
  4. Zähl am Ende der Woche. Aus welcher Quelle kamen die meisten Ideen? Aus welcher die, die dir am besten gefallen?
  5. Lass die Liste einen Tag liegen. Dann geht es ans Aussortieren: Ist die Idee interessant?

Wer hier schreibt

Oliver Bayer

Oliver Bayer

Sammelt, was erfolgreiche Creator anders machen, und übersetzt es in einen Ablauf, den du für jedes Video nutzen kannst.

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