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Idee · 14.10.2026 · Oliver Bayer

Ideen kombinieren: Wie aus zwei bekannten Dingen ein neues Video wird

Video-Essays über Hollywood plus Whiteboard-Videos über Business ergeben Video-Essays über YouTube-Kanäle (Paddy Galloway, 2016)

Teil von Videoideen finden · So kommst du auf 100 Ideen

2016 lud Paddy Galloway sein erstes eigenes Video hoch. Heute berät er als YouTube-Stratege große Kanäle, unter anderem MrBeast und Red Bull.

Vorher hatte er zwei Arten von Videos gesehen. Die einen zerlegten Hollywood-Filme in langen Video-Essays. Die anderen erklärten Geschäftsthemen im Detail, mit Zeichnungen auf einem Whiteboard. Galloway fragte sich: Was, wenn ich das für YouTube mache? Er mischte beides und zerlegte erfolgreiche YouTube-Kanäle. Laut Galloway hatte das vorher niemand gemacht. So hat er seinen Kanal aufgebaut.

Galloway hat keines der beiden Formate erfunden. Neu war nur die Verbindung.

Ideen kombinieren heißt: Du nimmst zwei Dinge, die es einzeln schon gibt, und verbindest sie zu etwas, das es so noch nicht gibt. Hier erfährst du, warum das der einfachste Weg zu neuen Ideen ist, wie ein Werbetexter damit 20.000 Schachcomputer verkaufte und welche vier Wege du nutzen kannst.

Warum Kombinieren der einfachste Weg zu Neuem ist

Galloway sagt: Ganz neue Ideen sind für kleine Creator schwer. Für die Frage „Was hat noch nie jemand gemacht?“ gibt es kaum ein System. Sein eigenes Rezept ist deshalb die Frage: Was, wenn ich zwei verschiedene Dinge verbinde?

Joseph Sugarman sieht das genauso. Sugarman war ein amerikanischer Werbetexter und verkaufte mit seiner Firma JS&A Elektronik per Post. In seinem Handbuch für Werbetexter schreibt er: Eine der wichtigsten Fähigkeiten ist, völlig verschiedene Dinge zu einem neuen Konzept zu verbinden. Je mehr du erlebt und gelesen hast, desto mehr Material hast du dafür.

Das erklärt, warum Kombinieren leichter ist als Erfinden. Du musst nichts aus dem Nichts schaffen. Du brauchst nur zwei Dinge, die du schon kennst, und den Mut, sie zusammenzustecken.

Verkauf ein Konzept, kein Produkt

Sugarmans wichtigste Regel lautet: Verkauf nie ein Produkt. Verkauf immer ein Konzept.

Sein Beispiel sind Digitaluhren. Als sie neu waren, reichte es, ihre Funktionen zu erklären. Die Uhren verkauften sich von selbst. Dann gab es Digitaluhren überall. Jetzt brauchte jede Anzeige ein eigenes Konzept: die dünnste Digitaluhr der Welt, eine mit Wecker, eine, für deren Bau man einen Laser braucht.

Noch deutlicher wird es bei einem Schachcomputer, den Sugarman Ende der 1970er-Jahre verkaufte. Sein Lieferant aus Hongkong bot an, dass der sowjetische Schachweltmeister Anatoli Karpow das Gerät empfehlen könnte. Sugarman machte etwas anderes daraus: eine Herausforderung. Seine Anzeige hieß „Soviet Challenge“. Die Frage darin: Kann ein amerikanischer Schachcomputer den sowjetischen Weltmeister schlagen?

Sugarman verkaufte mit drei solchen Anzeigen mehr als 20.000 Schachcomputer. Seine Konkurrenz verkaufte nach seiner Darstellung einfach Schachcomputer und hatte weniger Erfolg.

Links das Thema Schachcomputer. Plus ein Gegner ergibt das Konzept: Kann ein Schachcomputer den sowjetischen Weltmeister schlagen?

Fürs Video heißt das: Dein Thema ist das Produkt. „Ein Video über Dating-Apps“ ist ein Thema wie „ein Schachcomputer“. Ein Konzept entsteht erst, wenn du das Thema mit etwas Zweitem verbindest: einem Gegner, einem Format, einer anderen Welt.

Vier Wege, Ideen zu kombinieren

1. Form + Thema. Galloways Weg: Ein Format, das woanders funktioniert, trifft auf dein Thema. Video-Essay plus YouTube-Kanäle. Wie du das systematisch machst, zeigt das Format-Themen-Raster.

Ein Beispiel: Ein Sanitärbetrieb macht Videos über Heizungen. Er nimmt das Vorher-Nachher-Format aus Videos, in denen Wohnungen neu eingerichtet werden: „Der älteste Heizungskeller der Stadt: Wir machen ihn in drei Tagen neu.“

2. Thema + Gegner. Sugarmans Weg: Dein Thema tritt gegen etwas oder jemanden an. Das ist nah an der Wettbewerbs-Schablone aus Ideen-Schablonen.

Ein Beispiel aus Dating: „Dating-App gegen Speed-Dating: Ein Monat, zwei Wege, wer hat am Ende mehr zweite Dates?“

3. Zwei Welten. Ein Blick aus einer ganz anderen Welt auf dein Thema. Woher du solche Welten bekommst, zeigen Nachbar-Nischen und Steal Like an Artist.

Ein Beispiel aus Dating: Ein erstes Date, kommentiert wie ein Fußballspiel. „Ballbesitz 70 zu 30 für ihn. Er redet seit zwölf Minuten über seinen Job.“

4. Thema + Anlass. Ein fester Termin im Jahr trifft auf dein Thema. Auf meinem Dating-Kanal liefen Videos zum Valentinstag immer gut. Der Anlass bleibt jedes Jahr gleich. Das Thema, das du mit ihm verbindest, kann jedes Jahr ein anderes sein.

Und wenn dir nichts einfällt: der Zufall. Sugarman beschreibt ein Werkzeug des Denkforschers Edward de Bono. Es hieß Think Tank: eine Kugel mit 14.000 Wörtern auf kleinen Plättchen. Man schüttelte sie und schrieb die ersten drei Wörter auf, die man sah. Dann musste man sie mit seiner Aufgabe verbinden. Sugarmans Beispiel: Er will sein Flugzeug verkaufen und zieht die Wörter Bauernhof, Verkäufer und Mitgefühl. Ein Wörterbuch, das du an einer zufälligen Stelle aufschlägst, tut es auch. Sugarman nennt das Wörterbuch selbst ein Werkzeug.

Auch Alex Osborn, der das Brainstorming bekannt gemacht hat, hatte dafür eine Regel: Aus zwei Ideen soll eine dritte werden. Mehr dazu in Brainstorming.

Wie viel Neues verträgt dein Kanal?

Kombinieren bringt Neues. Neues ist riskant. Galloway rät deshalb, nur einen Teil der Videos so zu planen, vielleicht 20 Prozent. Der Rest baut auf dem auf, was schon funktioniert hat. Mehr dazu in Kopier dich selbst zuerst und in Das Ziel deines Videos, wo jedes fünfte Video ein Experiment sein darf.

Galloway warnt vor einem Muster bei kleinen Creatorn: Sie machen jede Idee nur, weil sie sie cool finden, ohne jeden Hinweis, dass sie funktioniert. Als Hobby sei das völlig in Ordnung. Wer wachsen will, braucht mehr Belege.

Für einen ganz neuen Kanal heißt das: Fang mit Ideen an, die bei anderen schon funktioniert haben. Kombinieren kommt dazu, wenn du die ersten eigenen Treffer hast.

So prüfst du eine Kombination

Nicht jede Kombination ist eine gute Idee. Drei Fragen helfen:

  1. Versteht man sie in einem Satz? „Ein erstes Date, kommentiert wie ein Fußballspiel“ versteht jeder sofort. Mehr dazu in Der Ein-Sekunden-Test.
  2. Ist eine Hälfte vertraut? Galloways Zuschauer kannten Video-Essays und kannten YouTube. Nur die Verbindung war neu. Ist beides fremd, verstehen die Zuschauer nicht, was sie erwartet. Mehr dazu in Vertraut und neu.
  3. Passt sie zu deinem Kanal? Eine witzige Kombination, die nichts mit deinem Kanal zu tun hat, bringt Zuschauer, die dein nächstes Video nicht schauen. Das prüfst du mit dem Ein-Wort-Filter.

Grenzen

Zwei langweilige Dinge ergeben ein langweiliges Video. Kombinieren macht eine Idee neu, nicht automatisch interessant. Ob sie interessant ist, prüfst du in Ist die Idee interessant?

Die Beispiele sind Erfolgsgeschichten. Galloway erzählt von seinem eigenen Kanal, Sugarman von seinen eigenen Anzeigen. Ob vorher wirklich niemand Video-Essays über YouTube-Kanäle gemacht hat, lässt sich nicht prüfen. Und von Kombinationen, die gefloppt sind, erzählt keiner der beiden. Beide verkaufen außerdem ihr Wissen: Galloway Beratung und ein Trainingsprogramm, Sugarman Bücher und Seminare.

Neu ist nicht dasselbe wie gewünscht. Eine Kombination, die noch keiner gemacht hat, kann auch bedeuten: Keiner wollte sie sehen.

Übung: zwei Listen, 20 Paare

  1. Schreib links zehn Formen auf. Formate, Gegner, Welten, Anlässe: Gerichtsshow, Experiment, Rangliste, Fußballkommentar, Vorher-Nachher, Valentinstag …
  2. Schreib rechts zehn Themen deiner Nische auf. Am besten Themen, zu denen es schon viele Videos gibt.
  3. Verbinde 20 Paare zu je einem Titel. Auch die, die erst einmal seltsam klingen.
  4. Mach eine Zufallsrunde. Schlag ein Wörterbuch dreimal an einer beliebigen Stelle auf. Verbinde die drei Wörter mit einem deiner Themen.
  5. Prüf am nächsten Tag jede Kombination mit den drei Fragen oben. Die besten zwei kommen auf deine Liste für die nächsten Videos.

Wer hier schreibt

Oliver Bayer

Oliver Bayer

Sammelt, was erfolgreiche Creator anders machen, und übersetzt es in einen Ablauf, den du für jedes Video nutzen kannst.

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